Indien: Wirtschaftswachstum verursacht Wasserkrise

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02-08-19 09:21:00,

93,8 Prozent der indischen Bevölkerung hat Zugang zu sauberen Trinkwasser, doch das ganze Land steckt in einer Trinkwasserkrise. Foto: Gilbert Kolonko

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Dank des durch Reformen ausgelösten Wirtschaftswachstums sollen 271 Millionen Menschen aus der Armut befreit worden sein. Genaueres Hinsehen entlarvt dessen Früchte als ungenießbar

In den 1990er Jahren begann Indien seine Wirtschaft marktliberal zu reformieren, um so das Wachstum zu beschleunigen. Dass dadurch zum Beispiel der indische IT-Boom möglich gemacht worden sei, ist einer unter vielen Mythen.

Doch durch eine aktuelle Studie der Vereinten Nationen fühlen sich die Reformer jetzt in ihrer Sicht bestätigt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben: Zwischen 2006 und 2016 seien in Indien 271 Millionen Menschen aus der Armut befreit worden, heißt es darin. In der umfangreichen Liste der Indikatoren für den erreichten Fortschritt figuriert auch der gesamtindisch auf 93,8 Prozent angestiegene Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Diese Erfolgsnachricht wird allerdings durch die Tatsache, dass ein Großteil des Landes unter Trinkwassermangel leidet, eindeutig infrage gestellt. In der 10 Millionen Einwohner-Stadt Chennai kann der Staat nicht einmal die Hälfte des Wasserbedarfs der Bevölkerung decken.

Unter den 21 indischen Städten, denen im nächsten Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach das Grundwasser ausgehen wird, ist auch die Hauptstadt Delhi mit ihren 18,6 Millionen Einwohnern (2012), wobei Delhi mittlerweile mit seinen unkontrolliert gewachsenen Vorstädten verschmolzen ist, so dass sogar von ca. 40 Millionen Menschen gesprochen werden muss.

Es ist aber nicht nur die steigende Einwohnerzahl der Hauptstadt, die zu einer starken Zunahme der Menge an hochgepumpten Grundwasser geführt hat, sondern auch die Verwandlung des Hauptflusses der Metropole, des Yamunas, in eine verseuchte, nicht zur Trinkwasserbeschaffung nutzbare Kloake.

Gini-Koeffizient in Indien: Höchstes Niveau in Asien

Dass die Einwohnerzahlen in den indischen Großstädten so rasant ansteigen, hat weniger mit dem in absehbarer Zeit stagnierenden Bevölkerungswachstum zu tun als mit der Landflucht. Die durch das Wirtschaftswachstum generierten Vorteile werden nicht nur in sozialökonomischer Hinsicht ungerecht auf die Einwohner Indiens verteilt – der Gini-Koeffizient, ein Maßstab für die Einkommens- und Vermögensverteilung einzelner Länder,

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