usa:-agrarlandschaft-48-mal-giftiger-als-vor-25-jahren

14-08-19 10:36:00,

Der enorme Anstieg der Toxizität in der US-Agrarlandschaft ist auf Neonicotinoide zurückzuführen. © pixabay

Tobias Tscherrig / 14. Aug 2019 –

Die US-Agrarlandschaft ist heute für Insekten 48-mal giftiger als vor 25 Jahren. Schuld sind vor allem Neonicotinoid-Pestizide.

Die US-Agrarlandschaft ist heute 48-mal giftiger für Honigbienen – und sehr wahrscheinlich auch für andere Insekten – als noch vor 25 Jahren. Diese erschreckende Erkenntnis ist auf den weit verbreiteten Einsatz der sogenannten Neonicotinoid-Pestizide zurückzuführen. Das belegt eine neue Studie, die in der Zeitschrift «PLOS One» veröffentlicht wurde.

Zwei der drei Neonicotinoid-Pestizide, die gemäss der Studie am meisten zur Gesamttoxizität beigetragen haben, werden von «Bayer-Monsanto» hergestellt. Das dritte erwähnte Produkt stammt von «Syngenta/ChemChina» mit Hauptsitz in der Schweiz.

Probleme auch in der Schweiz

Die Schweiz hat den Einsatz der hochgiftigen Neonicotinoid-Pestizide im Freiland Ende 2018 verboten, womit sie auf einen entsprechenden EU-Entscheid reagierte. Bis es soweit war, musste aber einiges geschehen. Es ist immer dasselbe Spiel: Pestizid-Konzerne stellen sich auf den Standpunkt, ihre Produkte seien «bei vorschriftsmässiger Anwendung» harmlos. Drohende Verbote bekämpfen sie bis vor Gericht.

Werden die entsprechenden Produkte dann endlich verboten, ist bereits viel Unheil angerichtet. So ergab eine Studie der Universität Neuenburg, dass 93 Prozent der Äcker von Biobauern im Schweizer Mittelland mit Neonicotinoiden verseucht sind. Rückstände, welche durch Verfrachtungen von herkömmlichen Betrieben auf die Bio-Äcker gelangten. Bei herkömmlichen Betrieben fanden die Forscher sogar flächendeckend Rückstände des Insektengifts. Rückstände von Neonicotinoiden wurden auch in Honigproben aus der ganzen Welt gefunden. Werden die Grenzwerte dabei nicht überschritten, sind sie für den Menschen ungefährlich. Nicht aber für Honigbienen, die sich daran vergiften.

Mit dem Verbot von Neonicotinoiden in der Schweiz ist die Problematik aber keineswegs gelöst. Wie «Infosperber» berichtete, sind neue Bienengifte schon seit längerem im Anflug – die Verharmlosungsstrategien von Pestizid-Industrie und -Lobby gehen weiter. Und das, obwohl diverse Studien und Forschungsarbeiten die Gefährlichkeit der Nachfolge-Produkte untermauern – wie etwa beim Wirkstoff Sulfoxaflor.

Ein weiteres Problem in der Schweiz ist das Zulassungsverfahren für Pestizide, das noch immer eine Black-Box ist. Ein Umstand, den «Infosperber» seit Jahren kritisiert. Immerhin gibt es seit Februar 2018 einen Lichtblick: Laut Bundesgericht gilt das Verbandsbeschwerderecht der Umweltorganisationen auch bei Bewilligungsverfahren für Pestizide.

 » Lees verder