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14-08-19 10:10:00,

„Der Schlüssel zum Verhalten von Personen liegt nicht in einem aufgestauten Ärger oder in Aggression, sondern in ihrer Beziehung zur Autorität“ (Stanley Milgram).

Bis in die heutige Zeit wird Abraham vom Judentum, Christentum und Islam als Stammvater betrachtet und als Vorbild für die Gläubigen gepriesen. Auf Grund dieser Gemeinsamkeit werden die drei großen monotheistischen Weltreligionen oftmals auch als abrahamitische Religionen bezeichnet.

Nach übereinstimmender Überlieferung der Bibel und des Korans wurde Abraham (Ibrahim) einstmals auf eine ungewöhnliche und in seiner Konsequenz äußerst grausame Glaubensprobe gestellt (1). Durch einen Befehl Gottes wurde er nämlich aufgefordert, seinen Sohn Isaak — „deinen einzigen, der dir ans Herz gewachsen ist“ — an einem vorher genau bestimmten Ort zu töten und ihm als Brandopfer darzubringen, ohne dass eine nähere Begründung für diese schreckliche Forderung gegeben wurde (2).

Nach der Schilderung des Alten Testaments zögerte Abraham bei der Ausführung dieses Befehls nicht, gehorchte und bereitete zielstrebig die Opferung des Sohnes vor. Doch erst als sich seine Tötungsabsicht eindeutig erkennen ließ, indem er den gefesselten Isaak auf den für das Brandopfer vorbereiteten Altar legte und nach dem Messer griff, rief im letzten Moment eine Stimme vom Himmel herunter:

„Halt ein! Tu dem Jungen nichts zuleide! Jetzt weiß ich, daß du Gott gehorsam bist. Du warst bereit, mir sogar deinen einzigen Sohn zu opfern“ (3).

Auch nach Aussage des Korans war Ibrahim (Abraham) sofort bereit, Allahs Willen zu erfüllen, und ihm seinen eigenen Sohn, das Wertvollste was er besaß, bereitwillig zu opfern (4).

Die „Abraham-Geschichte“ besitzt eine über den religiösen Bereich hinausgehende Bedeutung und weist auf ein grundlegendes Menschheitsproblem hin, das sich als Verhältnis von Autorität und Gehorsam oder als Zusammenhang von Machtausübung und der Bereitschaft des Menschen zu willfähriger Unterwerfung gegenüber den Ansprüchen einer Autorität beschreiben lässt.

Für den Schriftsteller Arthur Koestler liegt genau hier der Ausgangspunkt für eine bis heute andauernde Tragödie.

Koestler erkannte das Opfern von Menschen als ein in der Geschichte der unterschiedlichsten Kulturen häufig anzutreffendes Ritual. Er charakterisierte es jedoch nicht als Äußerung irgendeines Aggressions- oder Grausamkeitstriebes des Menschen, sondern als generellen „Ausdruck einer wahnhaften Tendenz der menschlichen Psyche“ (5). Wie anders — als wahnhaft — sollte man denn das Verhalten von Abraham bezeichnen, der dazu bereit war,

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