elliott-ante-portas-–-der-hedgefonds-des-us-investors-paul-singer-treibt-jetzt-in-deutschland-sein-unwesen

16-08-19 07:36:00,

„Elliott steht vor der Tür und möchte Ihnen ein Angebot machen, das Sie nicht ablehnen können!“ Dieser Satz, angelehnt an das berühmte Zitat aus dem Mafia-Film „Der Pate“, ist freilich frei erfunden. Gut möglich ist aber, dass sich Tobias Hartmann, Vorstandschef des Kleinanzeigen-Portals Scout24, derzeit tatsächlich vorkommt wie im Film „Der Pate“. Denn Elliott steht tatsächlich vor seiner Tür und hat ihm auch ein eindeutiges Angebot gemacht, und zwar in Form eines Offenen Briefes, den er in der vergangenen Woche im Internet veröffentlicht hat. Elliott fordert Hartmann darin auf, die Plattform Autoscout24 abzuspalten, ein umfangreicheres Aktienrückkaufprogramm aufzulegen und mit den Aktionären des Unternehmens „sinnvoll zusammenzuarbeiten“. Von Thomas Trares.

Elliott ist nämlich der Meinung, dass der wahre Wert von Scout24 nicht wie derzeit bei etwa 50 Euro pro Aktie liegt, sondern bei 65 Euro. Und Elliott ist auch nicht irgendwer, sondern der Hedgefonds des US-Investors Paul Elliott Singer, der diesen 1977 gegründet und nach seinem zweiten Vornamen benannt hat. Über Elliott verwaltet Singer heute knapp 35 Milliarden Dollar. Dem US-Milliardär eilt zudem der Ruf voraus, bei der Durchsetzung seiner Geschäftsinteressen nicht gerade zimperlich vorzugehen. In der Presse wird er mal als „Aasgeier“, mal als „Wall-Street-Hai“, mal als „Finanzheuschrecke“ oder auch als „größter und rabiatester aktivistischer Investor der Welt“ bezeichnet.

Offener Brief an Hartmann

Entsprechend ist auch der Brief an Hartmann in einem klaren und unmissverständlichen Ton gehalten. Elliott spricht darin von „verpassten Chancen“, einer „weiteren Enttäuschung“ und einem „Führungsteam, dem es an Ambition mangelt“. Ferner schreibt Elliott, dass sein Plan, nämlich Abspaltung von AutoScout24, Initiierung eines umfassenderen Aktienrückkaufprogramms und Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit den Aktionären, „unverzüglich“ verfolgt werden müsse. Der Brief endet schließlich mit folgender Botschaft an Hartmann: „Um die skeptischen Aktionäre zu beruhigen, müssen Sie mehr Ambition und Weitsicht zeigen. Die Präsentation der Quartalsergebnisse am 13. August bietet eine ideale Gelegenheit, Ihre Pläne zu verdeutlichen.“

Die Vorgehensweise von Finanzinvestoren vom Schlage Singers folgt einem ganz bestimmten Muster. Sie kaufen sich in meist angeschlagene, unterbewertete oder vermeintlich schlecht geführte Unternehmen ein und machen anschließend Rabatz. Es wird auf die Unternehmensstrategie Einfluss genommen, Manager unter Druck gesetzt, sie sollen Unternehmensteile abspalten, höhere Dividenden zahlen und in großem Stile Aktien zurückkaufen, oft finanziert mit Krediten, die das Unternehmen gar nicht benötigt. Eine Langfriststrategie, die das Unternehmen weiterbringt,

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