Brustkrebs – Eine Krankheit von Karrierefrauen? | KenFM.de

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19-08-19 06:42:00,

Auszug aus dem Roman „Alle Wünsche werden erfüllt“ von Renate Schoof, erschienen im Verlag zeitgeist.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Derzeit erkrankt eine von acht Frauen im Laufe ihres Lebens daran – so die Deutsche Krebshilfe. Die Aussage der alleinerziehenden Mutter Raphaela: „Bemerkenswert finde ich, dass in der DDR seltener Frauen an Brustkrebs erkrankten“, löst in Renate Schoofs Roman „Alle Wünsche werden erfüllt“ eine hitzige Debatte aus. Beim Frühstück in der Rehaklinik geht es um mögliche Ursachen für Krebs, um eine krankmachende Gesellschaft, in der kanzerogene Stoffe zum Alltag gehören und um den missbrauchten Begriff „Eigenverantwortung“.

Am Samstagmorgen kommt Josephin nicht zum Frühstück. „Ich glaube, sie hat Besuch“, erklärt Amelie den leeren Platz und träumt beim Essen aus dem Fenster, beteiligt sich nicht am Gespräch, obwohl das Thema sie interessiert. Udo wirft die Frage auf, warum gerade in Industriegesellschaften bei immer mehr Frauen Brustkrebs diagnostiziert wird.

„Bemerkenswert finde ich, dass in der DDR weitaus seltener Frauen an Brustkrebs erkrankten“, sagt Raphaela. „Das ist statistisch nachgewiesen.“ Weil Udo sie erstaunt anschaut, erklärt sie: „Jung ein Kind zu bekommen und es lange zu stillen, soll die Mutter davor schützen. Und bei uns war es üblich, früh eine Familie zu gründen. Meine Mutter zum Beispiel heiratete mit neunzehn, kurz vor der Geburt meiner Schwester. Drei Jahre später kam mein Bruder zur Welt, und als ich ein Jahr vor dem Mauerfall geboren wurde, hatte meine Mutter gerade ihren siebenundzwanzigsten Geburtstag gefeiert.“ Nach einem kurzen Lachen, das wehmütig klingt, sagt sie: „Ohne die Wende hätte ich sicherlich auch noch jüngere Geschwister.“

„Frühe Mutterschaft und langes Stillen sind in der Tat die besten Vorbeugemaßnahmen“, pflichtet Udo ihr bei. „Darüber habe ich gelesen. Solche Mütter werden dafür belohnt, dass sie die Rolle annehmen, die ihnen die Natur zugedacht hat. Wenn eine denkt, sie kann erst mal Karriere machen, erhöht sie ihr Risiko. Auch bei kinderlosen Frauen …“

Raphaela unterbricht ihn: „Welche denkende Frau traut sich denn heute noch, früh Mutter zu werden? In der DDR war das kein Problem, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Selbstverständlichkeit“, stellt sie klar. „Während der Babypausen von jeweils einem Jahr behielt meine Mutter ihren Arbeitsplatz,

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