Der Krieg gegen die Normalität

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22-08-19 09:07:00,

Das Haskell Free Library and Opera House wurde vor über einem Jahrhundert als Monument der dauerhaften Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada erbaut. Das spätviktorianische Gebäude mit zweifarbiger Fassade aus grauem Granit und braunem Ziegel wurde bewusst so errichtet, dass es sich über die Staatsgrenze der beiden Länder erstreckt, wobei die Eingangstür in den USA und Ausleihtheke und Opernhausbühne in Kanada liegen. Das Haus sollte eine Einladung an die Menschen aus beiden Ländern sein, Seite an Seite Bücher zu lesen und Musikaufführungen zu genießen.

Das Haskell ist das bekannteste Wahrzeichen der angrenzenden Ortschaften Derby Line (Vermont) und Stanstead (Québec), und seine skurrile Lage — eine schwarze Linie markiert den Grenzverlauf auf dem Fußboden der Bibliothek — verleiht seit Generationen den Zwillingsstädten einen besonderen Charme. Die Beschäftigten des Haskell kommen aus beiden Ländern; der Bestand umfasst englische und französische Werke. In beiden Ländern besitzt das Gebäude eine offizielle Adresse an den Straßen, die sich neben der Bücherei kreuzen: Caswell Avenue in Derby Line und Church Street (oder Rue Church) in Stanstead.

Tatsächlich war die historische Rolle des Haskell als Symbol der Offenheit und gemeinsamer demokratischer Werte entlang der längsten unverteidigten Grenze der Welt der tiefere Grund der „Schlacht von Derby Line“ von 2010. Der Kampf bot eine klassische amerikanische Konstellation: ein Kleiner stellt sich gegen herzlose, übermächtige Interessen. Der Streit rüttelte einen ganzen Ort auf und wuchs sich zu einer kleinen Graswurzelrebellion gegen die Exzesse des Kriegs gegen den Terror und die angstgetriebene Sicherheitsobsession der amerikanischen Nation nach den Anschlägen vom 11. September aus.

Eine Dekade der Angstmache hat in den USA all jenen Macht und Reichtum beschert, die am geschicktesten darin waren, die terroristische Gefahr aufzubauschen. Angst ist gut fürs Geschäft.

Angst hat das Weiße Haus und den Kongress überzeugt, für Programme zur Terrorbekämpfung und zum Heimatschutz Hunderte von Milliarden Dollar auszuschütten — mehr Geld, als irgendjemand sinnvoll ausgeben könnte —, oftmals mit nur wenig Management und Aufsicht, und häufig zum Schaden der Amerikaner, die sie angeblich schützen

sollen. Angst ist schwer in Frage zu stellen. Sie ist von ausschlaggebender Bedeutung für das finanzielle Wohlergehen zahlloser amerikanischer Bundesbeamter, staatlich beauftragter Privatfirmen, Subunternehmer, Berater, Analytiker und Experten.

Eine der verderblichsten Folgen der toxischen Kombination von Angst und Geld in der Ära nach dem 11.

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