Die nur scheinbar naive Weltsicht der Annegret Kramp-Karrenbauer

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26-08-19 10:38:00,

Vorgetäuschte Naivität, Verkürzungen und mutmaßliche Verdrehungen – mit diesen Stilmitteln präsentiert sich die CDU-Chefin und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer in einem großen aktuellen Interview. Das Handeln der Politikerin ist nachvollziehbar, aber die von den Medien bereitete unkritische Bühne ist skandalös. Von Tobias Riegel.

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Die kontroverse These von einem „Aufrüstungsmatriarchat“, bei dem Soldaten nicht mehr von offensichtlichen Kriegstreibern, sondern „von naiv-unbedarft aussehenden Damen mittleren Alters in die Kampfeinsätze geschickt“ würden, vertritt Leo Ensel in einem aktuellen Text. Als wollte die CDU-Chefin und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) dieses Gedankenspiel belegen, hat sie sich in einem großen aktuellen Interview mit dem Deutschlandfunk (DLF) vorgetäuschter Naivität, massiver Verkürzungen und mutmaßlicher Verdrehungen bedient. Diese verharmlosenden und nur scheinbar „unbedarften“ Stilmittel wendet sie bei allen zentralen Themen wie Kampfeinsätze, Rüstung und Verhältnis zur AfD an.

Der DLF bereitet ihr für diese Selbstdarstellung die passende unkritische Bühne – von einem solch sanften journalistischen Umgang können Politiker der LINKEN nur träumen. Natürlich böte fast jede Antwort AKKs Ansatzpunkte für kritisches Nachfragen – doch der öffentlich-rechtliche Sender lässt die CDU-Vorsitzende ein ums andere Mal gewähren. Das Handeln der Politikerin ist darum zwar unangenehm, aber nachvollziehbar – der Skandal ist eher die Zahmheit der Medien.

Die Bundeswehr auf einem guten „Pfad“?

So darf AKK unwidersprochen behaupten, bei der Verabschiedung Ursula von der Leyens sei „einmal in der Gesamtschau deutlich geworden“, wie „groß die Trendwende ist, die die Bundeswehr unter ihrer Leitung auch seit 2014 eingeleitet hat und wie dieser Pfad vorgezeichnet ist, der jetzt eben konsequent und noch schneller als bisher auch umgesetzt werden muss“. So funktioniert mutmaßliche Geschichtsklitterung, wenn die Journalisten nicht auf die zahlreichen Skandale während der Amtszeit von der Leyens hinweisen – und darauf, dass aus diesen Gründen keineswegs von einem „Pfad“ zu sprechen ist, der „jetzt eben konsequent und noch schneller als bisher auch umgesetzt werden muss“.

Das Stilmittel der nur vorgetäuschten Naivität wendet AKK bei den Themen Auslandseinsätze, Rüstung und USA an – auch das ist der Politikerin nur möglich, weil keine kritischen Nachfragen folgen. Dass AKK und die CDU den Bundeswehreinsatz im Irak fortsetzen möchten, ist kein Geheimnis:

„Das heißt,

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