Golfstaaten: Milliarden für westliche Universitäten

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30-08-19 03:03:00,

MIT-Campus. Bild: Peter Dandy/CC BY-SA 3.0

“Nahezu jede Abteilung für den Nahen Osten im Westen erhält Geld aus den Golfstaaten.” Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sind keine uneigennützigen Sponsoren

Das beliebte Wort “Narrativ” ist schwer fassbar. Man kann es mit “Erzählung” auf Deutsch wiedergeben, etwas spitzzüngiger mit “an einer Legende stricken”. Das Letztere betont mehr, dass im Narrativ ein gut Teil Überzeugungsarbeit steckt. Damit werden “Narrative” für die Politik interessant. Deutlich wird der Wert, den man Narrativen im politischen Feld beimisst, beispielsweise an der Analyse der SPD-Existenzkrise, die in den Blättern für deutsche und internationale Politik, zu lesen ist. Dort wird argumentiert, dass es der SPD an einer großen politischen Erzählung fehlt.

Das Beispiel aus der der deutschen politischen Debatte wurde erwähnt, um vor Augen zu führen, dass dem “Narrativ”, so umstritten seine Wirkungen sein mögen, einiges zugetraut wird. Der Begriff spielt eine Schlüsselrolle in einem Beitrag, den die US-Publikation Lobelog, spezialisiert auf US-Außenpolitik und den Nahen Osten, Mitte dieser Woche veröffentlicht hat. Darin geht es um die sogenannte Soft Power der Golfstaaten, namentlich der zwei bedeutendsten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, die sie über Gaben an westliche Universitäten ausüben.

Die Zahlen, die vom Lobelog-Artikel beigebracht werden, sind beachtlich. So heißt es an einer Stelle, dass US-amerikanische Universitäten seit 2012 geschätzt 2,2 Milliarden US-Dollar von Golfstaaten erhalten haben. Der Autor des Lobelog-Beitrags stützt sich dabei auf Informationen der Financial Times vom Dezember letzten Jahres.

2,2 Milliarden US-Dollar sind, selbst auf mehrere Jahre verteilt, eine Menge Geld, das seinen Eindruck bei den Universitäten hinterlässt; die Frage ist, welchen Einfluss dieses Sponsoring hat. Der Financial-Times- Artikel zitiert Leiter von renommierten Universitätsabteilungen, etwa von Harvard, die zur Wachsamkeit raten (“Wir sollten darauf aufpassen, wen wir um Geld bitten und unter welchen Bedingungen, wir es akzeptieren”). Ende vergangenen Jahres hatte der Artikel auch einen besonderen Aufhänger.

Geld, wissenschaftiche Freiheit und Kritik

Der britische Doktorand Matthew Hedges war im Mai 2018 im arabischen Emirat Abu Dhabi verhaftet, zu lebenslänglicher Haft verurteilt und schließlich lange Monate in Einzelhaft später, nämlich erst Ende November, aufgrund großer internationaler Empörung und der Vermittlung der britischen Regierung,

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