Die revolutionäre Reparatur der Wachstums-Wirtschaft

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10-09-19 09:36:00,

Autoren Siemoneit (links) und Richters: «Leistungsloses Einkommen untergräbt Marktwirtschaft»
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Autoren Siemoneit (links) und Richters: «Leistungsloses Einkommen untergräbt Marktwirtschaft»

Hanspeter Guggenbühl / 10. Sep 2019 –

Leistungsprinzip statt Ressourcen-Plünderung: Nach diesem Prinzip wollen zwei Physiker die «Marktwirtschaft reparieren».

Wie befreien wir die (angebliche freie) Marktwirtschaft vom Wachstumszwang? Oder: Wie kann eine Wirtschaft ohne Wachstum funktionieren? Diese Fragen stellen sich seit Jahren einige Ökonomen, Politikerinnen und Freiheitsliebende, doch sie sind eine Minderheit. Denn für die grosse Mehrheit der Leute aus Wirtschaft und Politik – vom Freisinn über die SP bis hin zum technokratie-gläubigen Flügel der Grünen – ist das Wachstum der Wirtschaft eine unerlässliche Bedingung, um Wohlstand und Arbeitsplätze zu erhalten, die Armut zu überwinden, die Renten und den Staatshaushalt zu finanzieren. Oder mit den Worten von Margaret Thatcher selig: «There is no alternative».

Gefragt wird allenfalls, wie sich dieses alternativlose Wachstum natur- und sozialverträglich gestalten liesse. Die Erfahrung zeigt: Bisher klappte es nicht. Denn trotz Wirtschaftswachstum wuchs die Schere zwischen Reich und Arm weiter – wenn auch auf höherem Niveau. Und mit dem Wachstum nahm die Ausbeutung von nicht nachwachsendem Naturkapital weiter zu, ebenso der Ausstoss von Treibhausgasen, die das Klima aufheizen.

Aus diesem Grund haben die verbliebenen WachstumskritikerInnen das Feld noch nicht geräumt. Unter ihnen lassen sich, grob gesagt, drei Gruppen unterscheiden: Erstens ökologisch orientierte Ökonomen, unter ihnen etwa Mathias Binswanger, die relativ ratlos zum Schluss kommen, die kapitalistische Markt- und Geldwirtschaft unterliege einem systemischen Wachstumszwang (Infosperber berichtete hier und hier darüber). Zweitens einige revolutionär gesinnte Linke, die finden, der Kapitalismus habe keine Probleme, sondern er sei das eigentliche Problem, und die folglich eine – wie auch immer geartete – Systemveränderung fordern.

«Marktwirtschaft reparieren»

Hier widmen wir uns einer dritten Gruppe, vertreten durch die Physiker Oliver Richters und Andreas Siemoneit. Sie meinen, eine natur- und menschengerechte Marktordnung lasse sich innerhalb der freien Marktwirtschaft verwirklichen. Ihr Rezept publizierten die beiden im Fachbuch unter dem Titel «Marktwirtschaft reparieren». (oekom-Verlag, 2019), in dem sie sich zum liberalen Leistungsprinzip bekennen – mehr darüber später.

Um den Konflikt zwischen Wirtschaftswachstum und Naturausbeutung aufzulösen, bleiben gemäss Richters/Siemoneit «nur zwei Optionen», nämlich: «Wirtschaftswachstum ökologisch nachhaltig zu gestalten oder Nichtwachstum sozioökonomisch stabil zu machen.» Dazu blicken sie ebenfalls zurück und stellen fest: «Die erste Option – grünes Wachstum – scheitert trotz enormer Anstrengungen seit mehreren Jahrzehnten vor allem am Thema Rohstoffeffizienz (…) Die zweite Option – Nichtwachstum oder sogar Schrumpfung – erscheint den meisten Menschen in politischer Hinsicht als völlig unrealistisch,

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