Kapitalismus konkret – Heute: Sterbt doch! Wir machen zu wenig Profit mit Antibiotikaforschung

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15-09-19 07:36:00,

Im Jahr 2017 noch mit viel medialem Rummel gegründet, im Jahr 2019 de facto tot – Die „Industrie-Allianz“ AMR von internationalen Pharma-Konzernen zur Entwicklung neuer Antibiotika droht sang- und klanglos unterzugehen. Recherchen des öffentlich-rechtlichen Senders NDR zeigen, die wichtigsten Firmen investieren nicht. Der Grund: zu wenig Profit.

Mediziner und Gesundheitsexperten in aller Welt warnen ohne Unterlass, der Menschheit drohen dramatische Epidemien, wenn nicht rasch neue Antibiotika entwickelt werden. Immer mehr Krankheitserreger entwickeln Resistenzen gegen die wichtigsten Antibiotika. Und die Zunahme multiresistenter Superkeime hat eine besorgniserregende Dimension angenommen. Die Gründe dafür sind vielfältig und werden kontrovers diskutiert, aber der Effekt ist immer der gleiche: Ärzte stehen immer öfter machtlos multiresistenten Keimen gegenüber.

Medikamente (Symbolbild)

Gegen diesen Trend sollte und wollte die „AMR Industry Alliance“ ankämpfen. AMR steht für Antimicrobial Resistance und vereint seit 2016 in zunächst loser Zusammenarbeit und seit Mai 2017, auch offiziell als AMR organisiert, mehr als 100 Unternehmen und Verbände der Pharmabranche aus 20 Staaten. Sie verpflichteten sich, intensiv und abgestimmt an neuen Antibiotika und verantwortungsvollem Umgang mit ihnen zu forschen. In einer Broschüre wird die „Vision“ so formuliert:

„Nachhaltige Lösungen zur Eindämmung der Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe durch Schaffung einer breiten Dynamik in der Industrie und Erleichterung der Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor.“

Große Worte, große Pläne, große Enttäuschungen

Ausgangspunkt war ein Beschluss der Vollversammlung der Vereinten Nationen im Mai 2015 für einen Globalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen. Im Januar 2016 unterzeichneten mehrere Unternehmen im schweizerischen Davos Absichtserklärungen über Forschung, Zugang, angemessene Nutzung sowie Produktion und Umwelt in Bezug auf Antibiotika. Im Mai 2017 schließlich wurde auf dem G20-Treffen in Berlin mit der AMR Industry Alliance auch organisationsrechtlich ein Rahmen geschaffen, mit Sitz in Genf.

Im Oktober 2017 fand das erste Treffen externer Berater der AMR Gruppe statt und im Januar 2018 legte die AMR ihren ersten Fortschrittsbericht vor. Darüber berichtete die „Pharma-Zeitung“ am 18. Januar 2018 wie folgt, bezogen auf das wichtigste Teilgebiet „Forschung und Wissenschaft“:

„In dem Bericht wird das breite Engagement der Unternehmen für die Forschung im Jahr 2016 bestätigt. Im Jahr 2016 wurden mindestens zwei Milliarden US-Dollar in die Forschung und Entwicklung für AMR-bezogene Produkte investiert. Dies ist eine vorsichtige Berechnung,

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