Das Unwahrscheinliche wahrscheinlicher machen!

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19-09-19 08:03:00,

Zum 50. Jahrestag des „Russel-Einstein-Manifests“ im Jahr 2005 veröffentlichten der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr, der Ökologe Daniel Dahm und der Philosoph Rudolf zur Lippe das Potsdamer Manifest (1, 2). Es bekräftigt Bertrand Russells und Albert Einsteins Appell, Krieg als Strategie der Konfliktlösung endgültig zu verbannen, geht aber noch einen Schritt weiter. Es prangert die strukturelle und offene Gewalt an, die von dem „herrschenden materialistisch-deterministischen Weltbild“ ausgeht, und alles Lebendige verdinglicht und es zur bloßen Verfügungsmasse macht.

Weil wir immer noch am Weltbild der klassischen Physik, dem „Paradigma des Unlebendigen“, festhalten, so resümieren die Autoren des Potsdamer Manifests, denken wir, der Mensch stünde außerhalb der Natur. Wir halten die Welt für eine materiell-dingliche Maschine, die sich von uns in den Griff kriegen lässt. Doch damit gleitet sie uns immer mehr aus den Händen. Wir müssen lernen, auf neue Weise zu denken. Wir müssen uns am Weltbild der neuen Physik, dem „Paradigma des Lebendigen“ orientieren und „das Lebendige lebendiger werden lassen“. Das alte Denken hat dazu geführt, dass wir uns einerseits maßlos überschätzen, andrerseits aber unsere wirklichen Möglichkeiten gar nicht erkennen.

Die Quantenphysik hat gezeigt, dass eine strenge Naturgesetzlichkeit gar nicht existiert, dass die Welt auch nicht aus Materie besteht. Sie besteht aus „Verbundenheit“ ohne materiellen Träger. Was wir als materiell-energetische Realität erleben und was sich naturgesetzlich verhält, sind Ausmittelungen von „Potentialität“, „Verkrustungen immaterieller Wirkungen“, Fußabdrücke eines „embryonal-lebendigen“ Mikrokosmos (3).

Die Welt lässt sich weder gedanklich, noch sprachlich, noch technisch in den Griff kriegen. Man kann von ihr nur in Bildern und Gleichnissen reden. Am ehesten noch, so die Autoren des Potsdamer Manifests, lässt sich die Wirklichkeit mit „Geist“, „Information“ oder „Liebe“ umschreiben. Der Boden auf dem wir stehen, ist schwankend. Nichts „existiert“ im gewohnten Sinne. Von Augenblick zu Augenblick geht die Welt aus der „Potentialität“, dem „Meer aller Möglichkeiten“, neu hervor (4). Das bedeutet: Die Zukunft ist grundsätzlich offen, die Evolution ist nicht abgeschlossen. Und wir sind einbezogen in diesen Prozess.

In unserer dreidimensionalen Alltagsrealität merken wir von all dem nichts. Hier folgt die Welt den Gesetzen der klassischen Physik. Lässt man ein Glas fallen, kann man sich darauf verlassen, dass es sich beschleunigt in Richtung Erdboden bewegt. Davonfliegen wird es nie. Auch geht die Sonne aus unserer Perspektive mit Sicherheit jeden Morgen auf und jeden Abend wieder unter.

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