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19-09-19 09:08:00,

Bill Browder, angeblich selbstloser Kämpfe für die Menschenrechte. Bild: Bild: © Piraya Film AS / Tore Vollan

Das Gericht sieht den Steuerberater Bill Browders nicht als Helden, sondern als des Steuerbetrugs Verdächtigen, verurteilt aber die Haftbedingungen

Der Magnitski-Fall wurde zu einer der massivsten antirussischen Kampagnen. Und ausgerechnet Bill Browder, der frühere Investmentfond-Verwalter von Hermitage, der in Russland während der Wild-West-Zeit nach dem Ende der Sowjetunion viel Geld für sich und eine Investoren machte, was die Menschen in Russland arm macht, aber neue Oligarchen schuf, konnte sich darüber als großer Menschenfreund und Kämpfer für die Menschenrechte profilieren. Das allerdings mit einer Fakestory, die aber in all dem antirussischen Fieber von den meisten nicht hinterfragt wurde. Vor kurzem entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) über eine Klage der Angehörigen von Sergei Magnitiski (Magnitskiy) in einer differenzierten Form, die aber Hauptpunkte von Browders Narrativ zurückweist.

Browder machte aus dem Fall des unschuldig zu Tode gekommenen angeblichen Whistleblowers ein Buch zur Selbstdarstellung und schaffte es, den Namen Magnitiski in einigen Ländern in Sanktionsgesetzen festzuschreiben, mit denen Menschen, die für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind, belangt werden sollen. Im Prinzip wäre das nicht schlecht, aber die Wirklichkeit sieht so aus, dass die Menschenrechtsverletzer, die politisch genehm sind, natürlich ausgespart bleiben. Browder wird sich hüten, für Sanktionen etwa gegen Saudi-Arabien zu werben. Aber Browder, der schon aus Gründen der Steuervermeidung aus den USA nach Großbritannien umgesiedelt ist, scheint nun als Weltverbesserer aufzutreten, möglicherweise um die von ihm falsch erzählte Geschichte seines Steuerberaters zu begraben.

Die Erzählung vom bösen russischen Staat und einem aufrechten Whistleblower, der für Recht und Gerechtigkeit in den Tod geht, ist so einfach wie betörend, dass sie Browder vermutlich selbst durch häufige Wiederholung glaubt. Er selbst sagt, dass es “sich viel besser anfühlt, was ich jetzt mache, als dies der Fall war, als ich Hedgefond-Manager war. Ich bin viel glücklicher, wenn ich für Gerechtigkeit als für Geld zu kämpfe.” Browder inszeniert sich als Putins “Feind Nr. 1”, so auch der Titel seines Buches, als ob er in Augenhöhe mit dem russischen Präsident kämpfen würde.

Eine schöne Geschichte über das böse Russland

Die Geschichte war auch zu schön und passte in die Narrative des Westens. 2007 habe die Polizei das Büro von Hermitage Capital in Moskau mit brutalem Vorgehen grundlos untersucht und Dokumente geklaut.

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