„man-zwingt-russland,-atomar-aufzurusten“-willy-brandt-sohn-fordert-neue-entspannungspolitik

19-09-19 08:13:00,

„Vom Wahnsinn des Wettrüstens wegkommen“, forderte einst Friedensnobelpreisträger Willy Brandt. Was nach dem Ende des Warschauer Pakts so selbstverständlich schien, ist heute aktueller denn je. Den Friedensappell des Altkanzlers zitiert heute sein ältester Sohn, Peter Brandt, in einem neuen Buch und exklusiv im Sputnik-Interview.

Der Historiker Peter Brandt ist Mitherausgeber des Buches „Frieden! Jetzt! Überall! – Ein Aufruf“. 50 Autoren aus Politik, Wissenschaft, Journalismus, Umweltverbänden und Gewerkschaften fordern darin eine „neue Entspannungspolitik“ – u.a. mit Texten von Michail Gorbatschow, Ernst Ulrich von Weizsäcker, Sahra Wagenknecht, Frank Bsirske, Jürgen Trittin, Horst Teltschik. Brandt wurde 1948 in Berlin geboren. Er ist Historiker, SPD-Mitglied und Professor im Ruhestand für Neuere und Neueste Geschichte an der Fernuniversität Hagen. Sputnik sprach mit ihm über Krieg und Frieden, die friedenspolitische Rolle der SPD sowie das aktuelle Buch.

– Herr Brandt, sie sind einer der Mitherausgeber des Buches “Frieden! Jetzt! Überall!: Ein Aufruf”. Was war ihre Intention, bei dem Projekt mitzumachen und wie dringlich ist ein derartiger Aufruf in der heutigen Zeit?

– Ich habe mich in der Friedensbewegung der frühen 1980er Jahre engagiert. Diese Bewegung hat dazu beigetragen, dass sich das Bewusstsein verändert hat und der Kalte Krieg sein Ende fand – der frühere Kalte Krieg. Inzwischen sind wir ja in einem neuen Kalten Krieg. Die Problematik der zunehmenden Spannung zwischen den USA und der Nato auf der einen Seite und Russland auf der anderen Seite, die sich entwickelnden neuen Supermächte neben den USA, wie China, die Vielzahl von Bürger- und Stellvertreterkriegen in der südlichen Hemisphäre. Das ganze internationale System ist aus dem Fugen geraten. Wir hatten zwar im alten Ost-West-Konflikt eine strukturell gefährliche Situation, die auch mehrfach am Rande des Abgleitens war – der absoluten Katastrophe. Heute haben wir aber nicht mal mehr die gewisse Kontrolle, die durch die Hegemonie der Weltmächte damals existierte. Das Ganze ist in einer gefährlichen Unordnung. Hier gilt es, das Bewusstsein zu schaffen, wie gefährlich eigentlich diese Situation inzwischen ist. Ich würde jetzt nicht so weit gehen, wie es manche machen: Experten, die sagen, es ist gefährlicher als alles, was wir in der alten Ost-West-Konfrontation erlebt haben. Aber es ist verdammt gefährlich und es wird gefährlicher. Wir müssen uns einmischen. Es ist unser Leben, das Leben unserer Kinder und Enkelkinder. Insofern finde ich,

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