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07-10-19 10:04:00,

Eine Sammelstelle für Rohkautschuk in Thailand.

Red. / 07. Okt 2019 –

Konzernverantwortung nicht vorhanden: Spurensuche von Filmemacher Michael Höft auf Kautschukplantagen für die Reifenproduktion.

Nur die Stirnlampe weist den Weg und gibt das nötige Licht, wenn die Arbeiterinnen und Arbeiter auf der Kautschukplantage das «weisse Gold» ernten gehen. Denn der Baum, der die Welt mit Naturgummi versorgt, lässt seine weisse Flüssigkeit vor allem nachts fliessen. Zwölf Stunden dauert die Schicht, der Monatslohn beträgt zwischen 4000 und 5000 thailändische Bäht – umgerechnet rund 140 Euro, die Hälfte des Mindestlohns in Thailand. Das erfährt der Filmemacher Michael Höft beim Besuch auf einer Kautschukplantage südöstlich von Bangkok. Ein thailändischer Journalist, der den Plantagenbesitzer kennt, konnte ihm diesen Termin vermitteln. Denn Höft stiess für seine ARD-Reportage «Schmutzige Reifen» vor allem auf verschlossene Türen, Geheimnistuerei und schmallippige Reifenhersteller. Dabei hatte er sich vor dem Kauf eines Satzes neuer Reifen nur die Frage gestellt: Woher stammt eigentlich der Gummi, der in die 50 Millionen Reifen fliesst, die jährlich in Deutschland verkauft werden? Klar ist, dass Autoreifen zu 90 Prozent aus Naturkautschuk bestehen, dass Thailand mit vier Millionen Tonnen der grösste Kautschukproduzent der Welt, und die Hauptstadt Bangkok das Zentrum des internationalen Kautschukhandels ist.

Früher Urwald

Dank eines lokalen Journalisten kann Höft eine Plantage besuchen. Der Besitzer erzählt, dass hier früher Urwald gewesen sei, und dass seine Eltern das Gebiet gerodet, erst Reis und Zuckerrohr, danach aber nur noch Gummibäume gepflanzt hätten. Da der Preis für Kautschuk in den letzten fünf Jahren stark gesunken ist, hat er weitere Bäume gesetzt, um den Einkommensverlust durch Menge zu kompensieren. Die 50 Angestellten stammen alle aus Kambodscha – sie sind billiger als Einheimische. Und sie erhalten nur Geld, wenn sie arbeiten. In der Regenzeit sind sie zum Nichtstun verurteilt. Der Lohn reicht nur für das Nötigste, die Familien wohnen in einfachsten Hütten.

Verbotenes Herbizid Paraquat

Nicht nur das Ernten des flüssigen Kautschuks gehört zu den Aufgaben, auch das Versprühen des in Europa verbotenen Herbizids Paraquat.

Public Eye warnt vor dem hochgiftigen, von Syngenta vertriebenen Herbizid, da es Lungenschäden, Hautkrankheiten und neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson auslösen kann.

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