Warum zu viel „Relativieren“ schädlich ist.

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14-10-19 08:01:00,

Warum zu viel „Relativieren“ schädlich ist.

von Egon W. Kreutzer

Geschehnisse oder Dinge zueinander ins Verhältnis zu setzen, ist sinnvoll und wichtig, um bessere Entscheidungen treffen, bzw. überhaupt Prioritäten setzen zu können. Ein schönes Beispiel dafür bieten die Beipackzettel von Medikamenten. Hier wird angegeben, welche Risiken die Einnahme eines Medikamentes mit sich bringt und wie wahrscheinlich das Eintreten dieser Risiken ist. Die mögliche Nebenwirkung, „anaphylaktischer Schock“, die schnell zum Tode führen kann, wird durch die Angabe „sehr selten“ relativiert.

Was „relativ“ selten vorkommt, also eine geringe Wahrscheinlichkeit aufweist, uns selbst zu treffen, ermöglicht uns, in der Abwägung zwischen der zugesagten Heilwirkung und der möglichen Nebenwirkung, eine vernünftige Entscheidung zu treffen, die sich für 99.999 von 100.000 Patienten als richtig herausstellen wird.

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Ein anderes Beispiel: Wenn es auch für die Kämpfer der kurdischen YPG in Syrien keine Beipackzettel gibt, auf denen vor „häufig“ auftretenden gesundheitlichen Folgen bei feindseligem Kontakt gewarnt wird, wissen wir doch alle, dass die Kurdengebiete in der Türkei, in Syrien und im Irak von uns „relativ“ weit weg sind, so dass von den Kämpfern dort für uns hier keine Gefahr ausgeht, was es uns ermöglicht, das Treiben dort mit äußerster Gelassenheit zu ignorieren.

Wenn es sich jedoch um Gegebenheiten handelt, die weder selten, noch weit weg sind, lässt sich doch noch mit Hilfe der Gleichsetzung relativieren. Das Ergebnis lautet dann: Es ist doch egal, wie du dich entscheidest, denn

• Konservierungsstoffe sind in jedem Fertiggericht.

• Politiker sind alle Lügner, egal von welcher Partei.

• Verbrecher gibt es in allen Bevölkerungsgruppen.

Genau das ist die Falle, die aus dem vernünftigen Relativieren jene Hanswurstigkeit werden lässt, die unter dem Motto: „Es ist doch alles egal!“, jede Eigenverantwortung weit von sich weist und stattdessen den „Umständen“ oder irgendwelchen „Mächten“ oder gleich dem „Schicksal“ die Schuld an allem zuweist, was sich ereignet.

Martin-Niemoeller-Konzentrationslager-Sachsenhausen-Dachau-Kritisches-Netzwerk-Widerstandskaempfer-Nationalsozialismus-Nazis-Widerstand-Schuldbekenntnis-geschwiegen-SchweigenMit dieser Einstellung ist jeder fein raus, der sich stromlinienförmig anpasst und treiben lässt – bis es ihn selbst trifft.

Kaum einer hat das treffender auf den Punkt gebracht als der evangelische Theologe Martin Niemöller, dem das Licht erst aufging, als er als Häftling im KZ Sachsenhausen Gelegenheit hatte, sein Handeln zu reflektieren:

„Als die Nazis die Kommunisten holten,

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