Nobelpreis für Peter Handke: Die zweite Rache der Meinungsmacher

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15-10-19 08:44:00,

Für seine Standpunkte zum Jugoslawienkrieg wurde der Dichter Peter Handke schon einmal von zahlreichen mutmaßlichen Kriegspropagandisten diffamiert. Nun wurde Handke mit dem Nobelpreis ausgezeichnet – und sieht sich erneut einem Tribunal der medialen Heuchler ausgesetzt. Von Tobias Riegel.

Dem österreichischen Dichter Peter Handke wurde der Nobelpreis für Literatur verliehen. Der Akt hat infame Reaktionen in zahlreichen großen Medien hervorgerufen – diese Reaktionen haben wenig mit Literatur und viel mit Politik und Propaganda zu tun. Denn Handke ist nicht nur einer der bekanntesten zeitgenössischen deutschsprachigen Autoren, der den Preis nach künstlerisch-intellektuellen Kriterien eindeutig verdient hat – vor allem hat er es gewagt, vor den völkerrechtswidrigen Jugoslawienkriegen in den 1990er Jahren Einspruch gegen die damals fast monolithische Pro-Kriegs-Meinungsmache westlicher Medien und Politiker einzulegen.

Kriegspropaganda und Handkes „Hinrichtung auf Raten“

Wie gleichförmig und verzerrend die Medienberichterstattung vor diesen Kriegen tatsächlich war, haben die NachDenkSeiten kürzlich in diesem Artikel in Erinnerung gerufen. Die damalige Reaktion vieler Medien auf die Intervention Handkes lässt sich heute nur als Diffamierungs-Kampagne und Ächtung bezeichnen – das Medium „Hintergrund“ beschreibt die Kampagne in diesem Artikel und spricht gar von „Hinrichtung auf Raten“.

Diese Wellen der Verachtung schlagen nun anlässlich der Preisverleihung ein zweites Mal über dem Dichter zusammen. Mutmaßlich aus zwei Gründen: Die betreffenden Redakteure wollen einerseits die Rehabilitation der Person des Kritikers verhindern, um ihn als pazifistischen Kronzeugen weiterhin kaltzustellen. Andererseits soll der Inhalt von Handkes Kritik am NATO-Krieg diffamiert werden, um die emsige Mitarbeit vieler Medien an der damaligen Kriegstreiberei weiterhin als „gerechtfertigt“ erscheinen zu lassen. Das weitgehende Verstummen der deutschsprachigen Intellektuellen zum Komplex Krieg und Frieden, zur Sozialen Frage und zum forcierten West-Ost-Konflikt machte und macht die (anscheinende) Isolation Handkes und seiner Thesen noch einfacher.

Das fatale Verstummen zahlreicher deutschsprachiger Künstler und Intellektueller zu wichtigen gesellschaftlichen Themen haben die NachDenkSeiten kürzlich etwa in diesem Artikel beschrieben. Handke ist eines der ganz wenigen Gegenbeispiele. Ihm gegenüber stand in den 1990er Jahren eine Vielzahl an Künstlern und Intellektuellen, die sich – motiviert durch durchschaubare moralische Kampagnen für die „Freiheit“ und gegen „Diktatoren“ – mehr oder weniger intensiv vor den propagandistischen NATO-Karren haben spannen lassen, unter zahlreichen anderen Jürgen Habermas, Hans Magnus Enzensberger oder Peter Schneider, wie etwa dieser Artikel beschreibt. Betrachtet man die bis heute andauernden fatalen Folgen des illegalen NATO-Kriegs,

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