Faschistisches Erbe

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06-11-19 10:54:00,

Verwertbarkeit, Gewinnerzielung und ewiges Wirtschaftswachstum, identisch mit einem ins Unendliche ansteigenden Ressourcenverbrauch, sind im Kapitalismus die Taktgeber. Alles andere ist nicht von Belang. Menschliche Werte, wie Mitgefühl, Solidarität und Freiheit, bleiben auf der Strecke. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Umso mehr verwundert, dass historische Erfahrungen zu keiner Änderung der Fahrtrichtung führen.

Unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs, der auch ein Resultat eines ausufernden, nahezu weltumspannenden und von Krisen geschüttelten kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftssystems war, zeigte sich die Politik in Deutschland antikapitalistisch. Einen Glockenschlag nach der Stunde Null bekundeten die Parteien ihre Bereitschaft, das angsteinflößende Monster „Kapitalismus“ an die Kette zu legen.

Das Ahlener Programm der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU), vorgestellt am 3. Februar 1947, ist ein beispielhafter Ausdruck der Bemühungen:

„Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen.

Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinwirtschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert.

(…) Stärkung der wirtschaftlichen Stellung und Freiheit des einzelnen; Verhinderung der Zusammenballung wirtschaftlicher Kräfte in der Hand von Einzelpersonen, von Gesellschaften, privaten oder öffentlichen Organisationen, durch die die wirtschaftliche oder politische Freiheit gefährdet werden könnte.“

Noch 1959 formulierte die heute auf Talfahrt in die Bedeutungslosigkeit befindliche Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) im Godesberger Programm die Gefahren durch Konzerne und Kapitalkonzentration:

„(…) Ein wesentliches Kennzeichen der modernen Wirtschaft ist der ständig sich verstärkende Konzentrationsprozess. Die Großunternehmen bestimmen nicht nur entscheidend die Entwicklung der Wirtschaft und des Lebensstandards, sie verändern auch die Struktur von Wirtschaft und Gesellschaft: Wer in den Großorganisationen der Wirtschaft die Verfügung über Millionenwerte und über Zehntausende von Arbeitnehmern hat, der wirtschaftet nicht nur, er übt Herrschaftsmacht über Menschen aus; die Abhängigkeit der Arbeiter und Angestellten geht weit über das Ökonomisch-Materielle hinaus.

Wo das Großunternehmen vorherrscht, gibt es keinen freien Wettbewerb.

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