Ex-Botschafter: Assange wird zu Tode gefoltert

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08-11-19 10:24:00,

„Jedes Mal, wenn wir Zeuge einer Ungerechtigkeit werden und nicht handeln, üben wir unseren Charakter in Passivität gegenüber diesem Geschehen und verlieren dadurch schließlich alle Fähigkeit, uns und diejenigen, die wir lieben, zu verteidigen.“                        Julian Assange

Von der Weltpresse und den „liberalen“ Politikern weitgehend im Stich gelassen, muss Julian Assange in seiner Londoner Haft nicht nur – vergeblich – um selbstverständliche rechtsstaatliche Rechte, sondern offenbar auch um sein Leben kämpfen. Der ehemalige britische Botschafter und jetzige Menschenrechtsaktivist Craig Murray (61 J.) hat Julian Assanges gerichtliche Anhörung am 21.10.2019 persönlich miterlebt und beschreibt in einem aufrüttelnden Bericht seine Empörung über den britischen Rechtsstaat und seine Sorgen um das Leben von Julian Assange. (hl)

Assange vor Gericht
Ein Augenzeugen-Bericht von Craig Murray
Schottland, 22. Oktober 20191

Craig Murray
Quelle: craigmurray.org.uk

Ich war zutiefst erschüttert, als ich gestern die Ereignisse im Westminster Magistrates Court miterlebte. Jeder Beschluss wurde gegen die kaum beachteten Argumente und Einwände von Assanges Verteidigungsteam durchgeboxt, von einer Richterin, die sich nicht einmal den Anschein gab zuzuhören.

Bevor ich zu dem eklatanten Mangel an fairem Verfahren komme, muss ich als erstes auf Julians Zustand hinweisen. Ich war äußerst schockiert wahrzunehmen, wie dünn mein Freund geworden ist, wieviel Haar er verloren hat und wie offenkundig vorzeitiges und stark beschleunigtes Altern bei ihm bemerkbar sind. Auffällig war auch ein Hinken, das ich bisher noch nie bei ihm beobachtet habe. Seit seiner Verhaftung hat er über 15 kg an Körpergewicht verloren.

Sein physischer Anblick war jedoch nicht so schockierend wie sein geistiger Verfall. Als er gebeten wurde, seinen Namen und sein Geburtsdatum zu nennen, kämpfte er sichtlich mehrere Sekunden lang darum sich beides ins Gedächtnis zu rufen. Auf den wichtigen Inhalt seiner Aussage am Ende des Verfahrens werde ich später zurückkommen, aber wieviel Schwierigkeiten es ihm bereitete, diese zu machen, war offensichtlich; es war ein richtiger Kampf für ihn, die Worte zu artikulieren und sich auf seinen Gedankengang zu konzentrieren.

Bis gestern war ich immer etwas skeptisch gewesen jenen gegenüber, die behaupteten, dass Julians Behandlung als Folter betrachtet werden müsse – sogar Nils Melzer2, dem UN-Sonderberichterstatter über Folter gegenüber; ebenso skeptisch war ich jenen gegenüber, die nahelegten, er sei möglicherweise beeinträchtigenden medikamentösen Behandlungen ausgesetzt. Da ich jedoch in Usbekistan den Prozessen von mehreren Opfern extremer Folter beigewohnt habe und auch mit Überlebenden aus Sierra Leone und andern Ländern gearbeitet habe,

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