Dokument britisch-amerikanischer Imperialpolitik | KenFM.de

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09-11-19 10:02:00,

Mackinders Heartland-Theorie mit einem Lagebericht von Willy Wimmer

Von Wolfgang Bittner.

Dem Frankfurter Westend Verlag ist eine Publikation zu verdanken, die Einsicht in britisch-amerikanische geopolitische Vorstellungen seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt: „Der Schlüssel zur Weltherrschaft. Die Heartland-Theorie“. Diese vorübergehend in Vergessenheit geratene Theorie, die Anfang des vorigen Jahrhunderts von Halford Mackinder und anderen entwickelt wurde, kann als Grundlage für die britisch-amerikanische Imperialpolitik gelten.

Mackinder (1861-1947), Geograf und langjähriger Präsident der Königlich Geografischen Gesellschaft ging 1904 in seinem programmatischen Vortrag „The Geographical Pivot of History“ von einer „Weltinsel“ aus, der größten zusammenhängen Landmasse der Welt, die aus den Kontinenten Europa, Asien und Afrika mit einer „Drehpunktregion“ („pivot area“) in Eurasien besteht. Dem folgte 1919 die Studie „Democratic Ideals and Reality“ mit seiner „Heartland-Theorie“, wonach die Welt beherrscht, wer das Zentrum Eurasiens, die „pivot area“ kontrolliert.(1)

Mackinder sah durch eine sich aus diesem Zentrum des eurasischen Kontinents entfaltende Landmacht, die unabhängig von den Weltmeeren wäre, die Vorherrschaft der britischen Seemacht und damit die universale Hegemonie Englands gefährdet. In diese Richtung wies die fortschreitende technische Entwicklung, die eine wirtschaftliche und verkehrsmäßige Erschließung weiter Teile des Kontinents ermöglichte. Mackinders „Herzland“ war das Gebiet des Russischen Reiches und der späteren Sowjetunion, und seine Theorie stellte seinerzeit eine Warnung vor dem Verlust der britischen Dominanz dar.(2)

Die USA haben in diesem Konstrukt keine herausragende, großartige Bedeutung, die sie jedoch beanspruchen. Daraus wird ersichtlich, warum sie – in Fortsetzung der Imperialpolitik Englands – eine Kooperation Deutschlands mit Russland seit mehr als einem Jahrhundert verhindern und seit dem Ende der Sowjetunion auf einen Regimewechsel in der Ukraine hingearbeitet haben, was in Russland mit der Regierung Jelzin nicht ganz gelungen war, in Kiew aber 2014 schließlich zum Erfolg führte.

In einer längeren Einführung des Westend-Buches befasst sich nun Willy Wimmer, ausgewiesener Experte für Außen- und Sicherheitspolitik, kenntnisreich mit den geschichtlichen Zusammenhängen seit dem Wiener Kongress von 1819 und schlägt den Bogen in die Gegenwart. Er schreibt in Bezug auf die veränderte Weltlage: „Es war eine lange Zeit, die allerdings die neuen Rivalitäten zwischen Russland, Frankreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten – tatsächlich oder eingebildet – überdeutlich aufzeigte… Es ging um die neue Weltsicht und darum, welche militärische Einheit den größten Anteil am staatlichen Haushalt innerhalb der Streitkräfte für sich würde verbuchen können.“

Wimmer geht davon aus,

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