Tagesdosis 09.11.2019 – Mauerfall 9.November ’89 – Der Blick zurück | KenFM.de

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09-11-19 10:00:00,

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Ein Kommentar von Hermann Ploppa.

Als ich am 9. November 1989 abends eine halbe Stunde vor Mitternacht von einem geselligen Abend aus meiner Stammkneipe nachhause kam, machte ich noch mal das Radio an, einen hessischen Dudelfunk, nur um mich vor dem Schlafengehen noch ein wenig berieseln zu lassen mit den Klängen von Phil Collins. Doch da kam eine Liveübertragung: „Ich kanns noch gar nicht fassen! Die Mauer ist offen, und wir fahren hier mit unserem Trabi über den Kurfürstendamm!“ Wie bitte? Ein Scherz wie damals der Krieg der Welten von Orson Welles? Hätte ich dem Hessischen Rundfunk nie zugetraut. Der Vergleich mit anderen Radiosendern brachte überall dieselben Originaltöne: glückliche Ostberliner, die mitten durch Westberlin kutschierten. In der Tat eine Sensation. Wir alle hatten damit gerechnet, dass es auch bei unserem Ableben die Mauer immer noch geben würde.

Ich muss aber klar sagen: schon damals traute ich dem Frieden nicht so ganz. Wie sollte die angekränkelte DDR denn eine offene Grenze zum wohlgenährten bundesdeutschen Bruder überleben? Diese Ungleichheit war ja später schon geradezu physiognomisch zu greifen in Form der riesigen Fleischmassen von Bundeskanzler Kohl und der terrierhaften Schmächtigkeit des DDR-Regierungschefs Lothar de Maiziere, der mindestens zweimal in den Bauch von Kohl zu passen schien. Das konnte doch nicht gutgehen.

Und dann soll der ganze Mauerfall ja ein Versehen gewesen sein. Der SED-Funktionär Günter Schabowski soll auf die Frage eines Journalisten nicht weiter gewusst haben und hätte dann eine Order von oben eigenwillig so gedeutet, dass die Grenzen ab sofort offen seien. War ja unerheblich, denn für den nächsten Vormittag, so sah die Politbüro-Anweisung vor, sollten DDR-Bürger frei ausreisen können. Das betraf Auswanderer aus der DDR, die ein Visum vorweisen sollten. Und nun überrannten die Massen die völlig geschockten Grenzpolizisten, und aus der Auswanderung wurde ein Sight-Seeing-Trip nach Westberlin.

Naja, das ist natürlich wieder einmal ein schönes Märchen aus tausend und einer Umnachtung. Tatsächlich hatte die Führung der DDR-Schutzmacht Sowjetunion den deutschen Arbeiter- und Bauernstaat schon lange an den Westen verkauft. Es blieb den Sowjets schlicht und wenig ergreifend gar nichts anderes übrig.

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