Der politische Journalismus und der Stress

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22-11-19 01:12:00,

Eine Debatte unter Journalisten kann aufschlussreich sein. Die Runde „Politischer Journalismus im Stresstest“ zeigte: Noch immer wird von großen deutschen Medien eine Aufarbeitung der Kampagnen und eine echte Selbstkritik verwehrt. Von Tobias Riegel.

„Politischer Journalismus im Stresstest“ war eine Diskussionsrunde im Deutschlandfunk am Donnerstagabend überschrieben. Daran nahmen auch der Chef des „Heute Journals“ Wulf Schmiese und der Chefredakteur von NZZ.ch („Neue Zürcher Zeitung“) teil sowie Kristina Dunz von der „Rheinischen Post“. Die Runde war aufschlussreich und kann zu Einblicken in die Selbstsicht prominenter Journalisten dienen – vor allem in jene des „Heute Journal“-Chefs, der eine sehr unglückliche Figur abgegeben hat.

Leerstellen der Medien-Debatte: US-Kriege, Russland, Wirtschaftssystem

Prinzipiell ist anzumerken, dass auch diese Runde wichtige Aspekte außen vor gelassen hat – so dominierte auch hier der Tenor, dass die Konflikte um den deutschen Journalismus (neben den Problemen der Vermittlung in neuen technischen Formaten etc.) vor allem mit den „rechten“ Themen verknüpft seien – dass also ein der Zuwanderung angeblich zu freundlich gesonnener Journalismus (oder ein zumindest so wahrgenommener) den Hauptgraben zwischen Medien und Publikum ausmachen würde.

Dadurch werden einmal mehr all jene Themen ausgegliedert, die mindestens ebenso zu einer starken Entfremdung zwischen Medien und Medienkonsumenten beigetragen haben: so etwa die Berichterstattung über die US-geführten Kriege und Umstürze, die irrationale mediale Feindschaft gegen Russland, die kaschierte Wende-Kriminalität nach 1989 und eine notorische Verteidigungshaltung gegenüber einem wirtschaftsliberalen System, um nur einige umstrittene Themen zu nennen.

Die NZZ ist ein zum Teil kritikwürdiges Medium, dass sich einem „liberal-bürgerlichen“ Blick verschrieben hat und zunehmend auf das deutsche Publikum zielt – der Newsletter der Zeitung nimmt in Anspruch, „Der andere Blick“ zu sein. Durch diese Außenperspektive konnte der Chefredakteur Eric Gujer, trotz der teils kritikwürdigen Ausrichtung seines Mediums, auch interessante Aspekte zur Debatte hinzufügen. Etwa diesen:

„Die Journalisten in Deutschland sind im Stadium der beleidigten Leberwurst.“

Dies sei so, weil sie ihre Rolle als Gatekeeper verloren hätten. Mit den neuen Medien-Kanälen müssten sich die klassischen Journalisten arrangieren und es mache keinen Sinn, einfach weiterhin zu behaupten, sie selber seien die einzig Wirklichen und Wahren. „Diese Haltung nützt nichts, wenn die Konsumenten das nicht so sehen.“

Freiwilliger Konformismus unter Journalisten

Zudem stellt Gujer fest – zwar zur Flüchtlingskrise, aber dieser Befund kann auch auf andere Themen ausgeweitet werden:

„Es ist zur Flüchtlingskrise 2015 wissenschaftlich aufgearbeitet,

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