Die neue Weltwirtschaftskrise

24-11-19 09:18:00,

Bertolt Brecht schrieb in den „Flüchtlingsgesprächen“: „Die Männer in den Konjunkturforschungsinstituten, die doch über genaue Notierungen auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Erscheinungen verfügten, zeigten ihren Kopf nur dadurch, dass sie ihn schüttelten“ (1).

Fast achtzig Jahre, nachdem dies geschrieben wurde, dürften die vielen Männer und die wenigen Frauen in den Konjunkturforschungsinstituten über nochmals mehr „genaue Notierungen auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Erscheinungen“ verfügen. Dennoch bleiben sie vage oder sie liegen daneben, wenn sie über die Lage der Wirtschaft schreiben und ihre Konjunkturprognosen abgeben. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft ging in einem am 11. September 2019 veröffentlichten Gutachten noch davon aus, dass das Welt-Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um 3,2 Prozent wachsen würde (2). Der „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR)“ prognostizierte damals, dass die Wirtschaft im Euroraum 2019 nochmals um 1,7 Prozent wächst und dass insbesondere auch das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 1,5 Prozent zulegt.

Tatsächlich steht im November fest: Die Weltwirtschaft wächst im ablaufenden Jahr nur noch minimal. Der Welthandel liegt nahe Null – Stagnation (3). Die Chefs der internationalen Organisationen Weltbank, des Internationalem Währungsfonds und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD zeichneten Anfang November ein ausgesprochen düsteres Bild von der Weltwirtschaft. O-Ton: „Wir glauben, dass die Weltwirtschaft schrittweise und synchronisiert einen Abschwung erlebt.“

Im Euroraum wird das Bruttoinlandsprodukt 2019 nahe Null liegen. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt war im zweiten Quartal leicht rückläufig und verzeichnete im dritten Quartal in Miniplus; insgesamt ergibt dies Stagnation. Die BRD-Industrie befindet sich sogar seit fast einem Jahr im Rückgang. Der kenntnisreiche Ökonom Heiner Flassbeck äußerte jüngst: „Es ist klar zu erkennen, dass eine Rezession (bereits) eingesetzt hat. (…) Die Produktion im produzierenden Gewerbe liegt um über 5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres und die Auftragseingänge sind um 7 Prozent niedriger.“

Das „Handelsblatt“ brachte in der Ausgabe vom 1. November ein vierseitiges Spezial mit der Überschrift „Und plötzlich ist Krise“ mit einer Fülle von Fakten, die darauf hinweisen, dass wir bereits mitten in einer Wirtschaftskrise stecken – und mit einleuchtenden Argumenten, warum sich das bislang kaum auf dem Arbeitsmarkt und noch nicht an den Börsen widerspiegelt. Es sind ausgerechnet einige Linke und Gewerkschafter, die diese Realitäten nicht wahrhaben wollen und die wirtschaftliche Lage schönreden. Exemplarisch sei Michael Vassiliadis, Chef der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (BCE), zitiert, der – ebenfalls im „Handelsblatt“ vom 1.

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