Uruguay – Mit knapp 1,2-prozentigem Vorsprung kann konservatives Wahlbündnis mit rechtsradikalen Militärs 15-jährige Prosperitätsära des Frente Amplio ablösen

26-11-19 08:48:00,

Rund 2,7 Millionen Wahlberechtigte von insgesamt 3,5 Millionen Einwohnern waren am 24. November zur Stichwahl zwischen dem Präsidentschaftskandidaten Daniel Martínez von der regierenden Mitte-Links-Koalition des Frente Amplio (Breite Front oder Breites Bündnis) und seinem konservativen Herausforderer Luis Lacalle Pou von der Partido Nacional (Nationale Partei) aufgerufen, dessen Sieger Uruguay für den Zeitraum 2020-2025 regieren wird. Ein Bericht von Frederico Füllgraf.

Und es kam wie längst befürchtet oder mit dem vielzitierten Romantitel Gabriel García Márquez‘ gesagt: Das Wahlergebnis vom 24. November war eine “Chronik des angekündigten Verhängnisses” der seit 15 Jahren erfolgreich regierenden Frente Amplio. Mit einer minimalen Differenz von 48,71 Prozent zu 47,51 Prozent – ein virtuelles technisches Patt – hatte sich Lacalle Pou nach Auszählung von 99,31 Prozent der geprüften Stimmen mit einem leidlichen Vorsprung von 28.666 Stimmen am Sonntagabend bereits als Wahlsieger gefeiert.

Doch das uruguayische Wahlgericht erinnerte an die gesetzlichen Bestimmungen. Gerichtspräsident José Arocena erklärte, das offizielle Ergebnis und der Wahlsieger würden frühestens am Donnerstag, dem 28. November, bekanntgegeben. Zur Begründung verwies Arocena auf ein Volumen von über 35.000 „beobachteten“, im Klartext: verdächtigen, Stimmen, deren Gültigkeit das Wahlgericht mit einer Nachzählung überprüfen müsse. Nach dem inoffiziellen Ergebnis vom Sonntagabend hatten Luis Lacalle Pou 1.160.829 Stimmen beziehungsweise Daniel Martínez 1.130.248 Stimmen erzielt. Uruguayische Wahlexperten schätzen, mit der Neuauszählung könnte sich die Stimmendifferenz zugunsten von Martínez verringern und damit die politische Spannung eines tatsächlichen technischen Patts erhöhen. Doch müsste der Kandidat der Frente Amplio 90,7 Prozent der 35.000 beanstandeten Stimmen auf sich vereinen, um als Wahlsieger hervorzugehen.

Ein Sieg der Konservativen war zu erwarten, doch fiel er überraschend kläglich aus – so überraschend wie umgekehrt der mehr als 8-prozentige Stimmenzuwachs der Frente Amplio innerhalb von nur vier Wochen.

Die unheilige Allianz nach der ersten Wahlrunde

Mit 39,1 Prozent zu 28,5 Prozent der Stimmen hatte Daniel Martínez den konservativen Luis Lacalle Pou in der ersten Wahlrunde vom vergangenen 24. Oktober besiegt. Trotz des mehr als 10-prozentigen Vorsprungs fehlten ihm jedoch 0,9 Prozent zur Erzielung der gesetzlich vorgeschriebenen 40-Prozent-Hürde für einen Sieg im ersten Durchgang.

Was sich danach im Lager der fünf konservativen Parteien zusammenbraute, hatte für die Frente Amplio fatale Folgen: Der erklärte Neoliberale von der Colorado-Partei, Ernesto Talvi (12,3 Prozent), und der vom amtierenden Präsidenten Tabaré Vázquez entlassene und zwangspensionierte General Guido Manini Ríos (10,8 Prozent der Stimmen) riefen ihre Anhänger zur Unterstützung Lacalle Pous auf,

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