Internet-Ausverkauf – Breiter Widerstand gegen Verkauf der .org-Domain

29-11-19 10:24:00,

Mitte des Monats gab die Internet Society (ISOC) bekannt, die Zuständigkeit für die drittgrößte Top-Level-Domain (TLD) .org an die US-Investmentgesellschaft Ethos Capital zu verkaufen. Teile der Öffentlichkeit reagierten schockiert, da diese TLD seit ihrer Einrichtung 1985 auf Non-Profit-Basis betrieben wurde. Unter anderem deswegen avancierte sie zur bevorzugten Adresse für gemeinnützige Organisationen und Open-Source-Projekte weltweit. Viele davon befürchten jetzt steigende Preise und eine Abkehr vom ursprünglichen Geist der .org-TLD.

Seit 2003 verwaltet die von ISOC eigens dafür gegründete Public Interest Registry (PIR) die .org-TLD. Mit dem jetzt angekündigten Verkauf wird PIR von Ethos Capital übernommen und damit aus der Non-Profit-Organisation ISOC herausgelöst. Diese erkärte, das aus dem Verkauf gewonnene Kapital in einer Stiftung anlegen zu wollen, um so ihren Fortbestand zu sichern.

ISOC gibt zwar an, dass Ethos Capital eine Reihe von Verpflichtungen in Bezug auf die Art und Weise, wie das PIR geführt wird, eingegangen ist, jedoch wollen weder Ethos Capital noch ISOC mitteilen, wie diese genau aussehen. PIR hat zwischenzeitlich bereits bestätigt, dass es seinen Status als gemeinnütziges Unternehmen infolge des Verkaufs verlieren wird.

Lauter Protest der netzpolitischen Zivilgesellschaft

Verschiedene gemeinnützige Organisationen haben als Reaktion auf den geplanten Verkauf die Save .ORG – Kampagne ins Leben gerufen und formulieren in einem offenen Brief an den Vorsitzenden der ISOC mehrere Kritikpunkte. Neben dem befürchteten Preisanstieg zeigen sie sich besorgt, dass eine private Firma wie Ethos Capital einfach Seiten kritischer NGOs auf Wunsch von Regierungen abschalten könnte, ohne zuvor den jeweiligen Sachverhalt zu prüfen.

Aufgrund der Bedeutung der TLD formulieren sie den Anspruch, dass .org von Personen gemanagt wird, die Bedürfnisse von NGOs über Profitinteressen stellen. In dem Zusammenhang fordern sie auch, bei Entscheidungen, die die .org-TLD betreffen, angehört und beteiligt zu werden.

Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Web, äußerte ebenfalls sein Bedenken und schrieb auf Twitter: „Ich bin sehr besorgt über den Verkauf von .org an ein privates Unternehmen. Wenn PIR am Ende nicht verpflichtet ist, im öffentlichen Interesse zu handeln, wäre es eine Farce.“

Außerdem äußern die Unterzeichner:innen der Save.ORG – Kampagne die Befürchtung, dass der Verkauf an eine gewinnorientierte Investmentgesellschaft einen Anstieg der Registrierungskosten für .org-TLDs nach sich ziehen wird. Dadurch könnten kleine und finanziell schwache NGOs in ihrer Arbeit behindert werden.

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