Kommentar: Für eine Demontage von Container-Begriffen

kommentar:-fur-eine-demontage-von-container-begriffen

01-12-19 09:57:00,

Symbolbild: Pixabay

Einer der größten Hemmschuhe für politische Kommunikation sind begriffliche Blockaden und schwer fassbare Mehrdeutigkeiten

Die Schwierigkeit, die der Begriff des Containers markiert, beginnt schon mit seinem eigenen Gebrauch und seiner eigenen Definition. Nein, wir sprechen hier gerade nicht von diesen praktischen Metall-Behältern, die auf den Meeren schippern. Der Terminus findet sich anderweitig auch im informatisch-programmtechnischen Bereich, wenn verschiedene Daten in ein bestimmtes Format ‚zusammengepackt‘ werden. Kultur- und Medienwissenschaften haben vor einigen Jahren bemerkt, dass das Prinzip des Containers mittlerweile eine fundamentale Praxis ist und den globalisierten Datentausch und Informations-Verkehr veranschaulichen kann.

Doch was kulturell am Container interessieren kann und sollte, ist vielleicht noch etwas anderes. Und wir bleiben im Bild: Ein Container ist ein Behälter für Unterschiedlichstes, in seinem Füllgut teilweise so disparat wie ein ganzer Hausstand beim Umzug. Eine entsprechende Verwendung des Begriffs findet sich mittlerweile v. a. in Sozial- und Politikwissenschaften. (Selbst eine medienwissenschaftliche Doktorarbeit von 2009 zur “Containerisierung” geht jedoch auf diese Variante nicht hauptsächlich ein und verwendet selbst nur in einem allgemeineren Sinne den Ausdruck “Containerbegrifflichkeiten” an einer einzigen Stelle.)

Es könnte sein, dass er eine ganz zentrale Problematik vieler Kommunikationen, insbesondere der politischen mit ihren praktischen Folgen, beschreiben hilft – bevor man effektiv an ihre Bearbeitung gehen könnte.

Klimawandel? Was meinen Sie eigentlich damit?

Das strukturelle Problem ist allgegenwärtig. Nehmen wir einmal das publizistische Hauptthema der Gegenwart: den sog. “Klimawandel”.

Meistens wird er, auch aus journalistisch-praktischen Gründen, als einzelner Begriff verwendet. Er kann präzisiert werden durch den Zusatz “menschengemacht”https://www.heise.de/ “anthropogen”. Das mildert seine Containerhaftigkeit. Denn für sich genommen hat er die Ursprungsbedeutung, alles zu bezeichnen von einer Erdatmosphäre mit drastisch höheren Temperatur- und CO2-Werten in stark schwankendem Verhältnis zueinander, über große Eiszeiten hinweg bis zu einer Phase der letzten 10.000 Jahre, die in ihren Temperaturwerten relativ stabil verliefen.

Mit “Klimawandel” allein ist also zunächst nichts gemeint, was heute meistens damit bezeichnet wird – vom politischen Konzeptpapier über den Zeitungsartikel zu einem der mindestens Billionen privaten Gespräche. Wer heute darauf anspricht, verzichtet meist auf den Zusatz “menschengemacht”, obwohl er genau und nur diesen “Klimawandel” meint.

Der fortgesetzte Streit, der in der mächtigsten Nation, den USA, zu einem Ausstieg aus dem internationalen Klima-Abkommen führte, zielt auf ebendieses Attribut ab: menschengemacht oder nicht?

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: