Der Mythos von den weltweiten Kämpfen

02-12-19 01:56:00,

Proteste in Hongkong, 1. Dez. 2019. Bild: Studio Incendo/CC BY 2.0

  1. Der Mythos von den weltweiten Kämpfen

  2. Nutznießer sind am Ende die Rechten


  3. Auf einer Seite lesen

In vielen Ländern gehen Menschen auf die Straße. Aber es lohnt sich genauer hinzusehen, was die Ziele sind

US-Präsident Trump wurde in einem Essay im Deutschlandfunk unter die soziologisch noch unbekannte Kategorie der Killerclowns subsumiert. Doch er hat noch Freunde.

“Make Hongkong great again”, skandierten Demonstranten vor der US-Botschaft in Hongkong, schwenkten US-Fahnen und ließen Trump hochleben. Die Parole ist nicht neu. Kappen mit dem Slogan, die dem Trump-Wahlkampf nachempfunden wurde, gibt es schon lange zu kaufen. Noch älter ist die Parole “Make Great Britain again”. Damit wird deutlich, dass ein Teil der Protestbewegung in Hongkong nostalgisch den Zeiten nachtrauert, als Großbritannien dort das Sagen hatte.

Eine westliche Demokratie gab es damals dort nicht, linke Oppositionelle wurden brutal verfolgt und Unruhen, wie die aktuelle wären so brutal niedergeschlagen worden wie der Aufstand von 1967. Damals waren streikende Arbeiter und von der Kulturrevolution in China inspirierte Jugendliche auf die Straße gegangen. 2019 sind dort diejenigen hegemonial, die den alten Kolonialzeiten nachtrauen.

Doch auch manche Linke mühen sich erst gar nicht mit den analytischen Problemen ab, sondern ergehen sich im Pathos des Straßenkampfmythos’. So wurde direkt aus der Hongkonger Kampfzone in der Taz berichtet:

Straßenblockaden ließen an vielen Stellen den Verkehr zusammenbrechen. Im Banken- und Geschäftsviertel Central beteiligten sich die Woche über Tausende Büroangestellte an illegalen Demonstrationen. Sie bauten Barrikaden, um ein schnelles Vordringen von Polizeifahrzeugen zu verhindern. Mehrfach wurden sie mit Tränengas angegriffen. Die Protestbewegung wird immer noch von weiten Teilen der Bevölkerung unterstützt. Sie sehen den “schwarzen Block” als vorderste Front eines legitimen Aufstands.

Ralf Ruckus, Taz

Es wäre interessant zu fragen, wie viele dieser Supporter des Schwarzen Blocks jetzt Trump vor der US-Botschaft zujubeln. Das kommt davon, wenn man auf den Mythos des Straßenkampfs setzt und dann in Steinhagel und Tränengasnebel die analytische Maßstäbe abhandenkommen.

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