Die Zukünftigen

10-12-19 02:07:00,

Mitte August unternahm ich mich mit meiner Familie eine Reise nach Berlin. An einem sonnigen Morgen eilte ich mit meinem Sohn in der Trage in den nahe gelegenen Friedhof, um vor der riesigen Geräuschkulisse in eine Atmosphäre der Ruhe zu flüchten. In einem recht intensiven Moment überkam mich die Eingebung, dass mein nächstes Thema für Rubikon mit dem zu tun haben sollte, was mich gedanklich sehr beschäftigte und das ich in diesem Moment körperlich nah bei und mit mir trug. Auf meine Nachfrage zeigte die Redaktion Interesse an dem Thema: Wie wirken wir auf unsere Kinder und wie gelingt ein heilsames Gemeinsam über Generationen hinweg?

Schon zu Beginn signalisierte mir mein Unterbewusstsein, dass ich mich bei dieser Thematik übernehmen könnte. Ich ignorierte die Signale zwar zunächst, aber dennoch war mein Tatendrang für mehrere Wochen blockiert und in dieser Zeit schrieb ich kein einziges Wort.

Erst ungefähr einen Monat später begann ich, mein gesammeltes Wissen aufzuschreiben. Meine Gefährtin las den Text wie immer gegen, korrigierte Stellen und half mir mit Rückfragen.

Danach trat eine Wendung ein, sodass ich den geschriebenen Text über den Haufen warf.

Anlass war eine Äußerung von Jens Lehrich in den „Guten Nachrichten“ des Rubikon, die auf der Videoplattform YouTube hochgeladen werden. Jens Lehrich berichtet den Zuschauern, dass die Themen, für die sie sich bereits entschieden hatten, nicht mehr Teil dieser Sendung seien. Ein Buch, das ihm Rubikon-Herausgeber Jens Wernicke gab, habe ihn zutiefst bewegt und er hätte aufgrund dessen die gesamte Agenda dieser „guten Nachrichten“ neu überdacht. Ich war irritiert. Was konnte so wichtig sein, dass die ursprüngliche Version durch eine neue ersetzt wurde? Tief in mir schlummerte eine Abneigung gegen diesen Richtungswechsel.

Jetzt, da ich den Grund meiner Enttäuschung kenne, bin ich „beiden Jens‘“ überaus dankbar. Dem einen, der diesen Einwand einbrachte, dem anderen, der ihn umsetzte. Aber weshalb?

Meine anfängliche und zeitweise anhaltende Ablehnung gründete darauf, dass ich meinen Artikel und mich in Lehrichs Äußerung wieder erkannte. Meine unterbewusste Intuition wurde für mich greifbar und ich begriff, dass auch mein Artikel nicht dem würdevollen Anspruch entsprach, den ich mir vorgenommen hatte. Mein Text enthielt zwar alle Erfahrungen, die sicher jeder junge Vater und einigermaßen weltliche Mensch so erlebt, doch er sprengte diesen Rahmen nicht. Zwar erwähnte ich ein Buch von Gerald Hüther und Herbert Renz-Polster zur naturbezogenen und der Resilienz fördernden Beziehung zu unseren Sprösslingen und setzte mich zudem mit einzelnen Verbesserungsvorschlägen von Alfie Kohn auseinander,

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