Die Stille in uns

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13-12-19 02:44:00,

Woran erkennen wir, dass ein Ereignis tatsächlich stattgefunden hat? Exakt! Wenn es von eben diesem Ereignis ein Selfie gibt. Und wenn es auch nur für 24 Stunden in einer Insta-, Facebook- oder WhatsApp-Story existiert. Wir – damit sind all jene gemeint, die mehr oder weniger an der schönen neuen durchdigitalisierten und smarten Welt teilnehmen können – sind heute alles andere als isoliert. Über unsere digitalen Endgeräte nehmen wir 24/7 am Leben der anderen teil. Nicht nur wir. Aber das ist ein anderes Thema.

Obgleich wir rund um die Uhr digital mit allen verknüpft sind, die Überwindung physischer Zwischenräume durch sinkende Flug-, Zug- und Buspreise immer leichter wird, lässt sich eine tiefe Verbundenheit selten finden. Das ist natürlich meine subjektive Wahrnehmung. Doch nichts anderes ist der nachfolgende Beitrag.

Wie erklärt sich also dieser Widerspruch aus Nicht-Isolation bei gleichzeitiger Unverbundenheit zwischen den Individuen? Durch die Digitalisierung? Die Flexibilisierung der Arbeitswelt und der damit verbundenen Aufweichung sämtlicher uns Halt gebender Konstanten? Der Hedonismus, der Narzissmus der Gesellschaft? Vermutlich alles zusammen? All dies böte Stoff für unzählig weitere Beiträge, und all dies in eine Nussschale zu quetschen, wäre für das Kernanliegen dieser Gedanken zu mühselig.

Fakt ist: Wir sind kollektiv vereinsamt!

Dies wäre nicht so schlimm, wüssten wir, mit dieser Einsamkeit richtig umzugehen. Stattdessen geben wir uns dem von vorneherein zum Scheitern verurteilten Unterfangen hin, dieses Loch in uns mit bröseligem, sprödem Material zu stopfen. Viele Beziehungen in unserem Alltag sind von einer Ödnis der Oberflächlichkeit geprägt und bestehen aus Surrogaten von Verbindungselementen, die das Gerüst echter, stabiler, tiefgehender und intimer Beziehungen darstellen. Wir können über die banalsten Themen, über alles und nichts, über die langweiligsten, unspektakulärsten Wetterlagen dieser Welt ellenlange Gespräche in dem Latein der Jetztzeit – Small Talk – führen. Emojis in Textmessengern mimen Gesichtsausdrücke, die wir Kraft echter Emotionen kaum noch zeigen. Sex wird versandkostenfrei über Tinder wie eine Pizza bestellt. Das kalte Licht der digitalen Endgeräte beleuchtet unser Gesicht, wenn wir Kopf und Kragen über deren Bildschirm beugen.

Wir wollen uns einfach nicht eingestehen, dass wir vereinsamt sind. Trauen uns nicht, dieser Tatsache ins Auge zu blicken. Der mittlerweile verstorbene Hollywood-Schauspieler Robin Williams sagte dazu einst:

„Ich dachte immer, dass das Schlimmste im Leben darin besteht, allein zu enden. Das ist es nicht. Das Schlimmste im Leben ist,

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