Argentinien – Von der “verbrannten Erde” zum Wiederaufbau-Programm von Alberto Fernández

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15-12-19 10:58:00,

Buenos Aires, den 10. Dezember. Nach der Regierungserklärung des neuen Präsidenten und der Vizepräsidentin vor dem Parlament folgten Kolonnen zigtausender Transparente und Fahnen schwingender Menschen dem Weg Alberto Fernández‘ und Cristina Fernández de Kirchners zur Vereidigung im Regierungspalast Casa Rosada. Ein Bericht von Frederico Füllgraf.

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Trotz der extremen Sommertemperaturen, die die 12-Millionen-Metropole am La Plata peinigten, breitete sich sodann ein Menschenmeer von der Plaza de Mayo in Richtung der nahegelegenen City aus. Männer und Frauen, Junge und Alte sangen in Chören und tanzten zum Klang der karibischen Cumbia. Nicht wenige weinten und umarmten Familienangehörige und Freunde. Mit politischen Ansprachen, feurigen Reden und Ermutigungen dauerte der Siegestaumel bis in die frühen Nachtstunden; der Himmel immer wieder aufgehellt durch Kanonaden von buntem Feuerwerk. In den vergossenen Tränen bahnten sich gemischte Gefühle den Weg zur Befreiung. Es war die Freude über die Wende, gepaart mit der Erleichterung über „Macris Ende“; über das Ende der inkompetentesten und rabiatesten argentinischen Regierung der vergangenen zwei Jahrzehnte.

Fernández‘ sozialdemokratische Neugründung Argentiniens

Alberto Fernández‘ Regierungserklärung vor dem komplett besetzten Parlament und ausländischen Gästen – zu denen Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel, die ehemaligen Präsidenten Uruguays und Ecuadors, José Pepe Mujica und Rafael Correa, jedoch auch der brasilianische Vizepräsident, General Hamilton Mourão, zählten – dauerte eine volle Stunde und vier Minuten. Mit akribischer Diagnose des kranken Argentinien verwies der zum neuen Staatschef gewählte, 60-jährige Jura-Professor auf Macris “Erbe”: ein Scherbenhaufen mit 4,5 Millionen neuen Armen, mehr als 20.000 zerstörten kleinen bis mittleren Industriebetrieben, eine Auslandsverschuldung von über 200 Milliarden US-Dollar und eine 53-prozentige Inflation.

Hierauf präsentierte er eine Art einheimischen Marshallplan mit nahezu obligatorischer Teil-Neugründung von Staat und Rechtssystem sowie einer kühnen wirtschaftlichen Wiederaufbau-Strategie, die mit einem sozialen Notstandsprogramm zur Sofortbedienung des Millionenheeres verarmter Rentner, Arbeitsloser, Frauen und unterernährter Kinder startet. Außer den in Brasilien bewährten, 2008 von Präsident Luis Inácio Lula da Silva beschlossenen antizyklischen Maßnahmen, wie der Belebung des Binnenmarktes, sprach Fernández zum ersten Mal auch die Dringlichkeit einer einheimischen wissensbasierten Ökonomie an, womit das Land seinen technologischen Rückstand überwinden soll, aber sich auch als Anbieter fortgeschrittener Technologie künftig als Weltmarkt-Akteur profilieren kann.

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