In Indien ist es fünf nach zwölf

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15-12-19 05:01:00,

Huhn oder Gemüse lautet die Frage in der Mirza Ghalib Street. Foto: Gilbert Kolonko

  1. In Indien ist es fünf nach zwölf

  2. Nicht alle Probleme sind hausgemacht


  3. Auf einer Seite lesen

Die katastrophalen Folgen des Wachstumswahn in Indien sind nicht mehr zu stoppen – sie haben alle Lebensbereiche der Menschen durchdrungen

Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, über der 4,5 Millionen Einwohner Metropole Kolkata. Die meisten Händler am Straßenrand schlummern auf ihren Verkaufsständen. Vor mir brennt ein Plastikhaufen und gibt einen Hinweis, warum 40 Prozent der 26.000 Tonnen Plastiks in Indien, die täglich in Umlauf gebracht werden, “verschwinden”.

Ein Plastiksammler in zerlumpter Kleidung läuft vorbei, dann ein Angestellter der Stadt mit seinem Müllkarren. Ich folge ihm an weiteren brennenden Müllhaufen vorbei in die Mirza Ghalib Street, wo die Metropole eine ihrer Müllsammelstellen hat. Davor steht ein Lastwagen mit der Aufschrift: Clean City. 100 Meter entfernt ein Gemüsemarkt: Dort, wo seine Ware herkommt, fährt der Lastwagen später hin.

Zwischen Müllsammelstelle und Gemüse ein Hühnermarkt – der Gestank lässt alles andere vergessen: Das weiß-graue Gefieder wird lebend an Fahrräder und Motorräder der Kundschaft gehängt oder an Rikschas, die noch von Menschen gezogen werden. Die Illusion glücklicher Hühner gibt es in Indien nur für die obere Mittelklasse auf der Verpackung im Supermarkt.

Chicken im Curry?

Wer die Bleiwerte in den Lebensmitteln Kolkatas kennt, könnte annehmen, dass Hühnchen gesünder ist als Gemüse: Das Geflügel ist “nur” mit bis zu 10 Milligramm Blei pro Kilo belastet, das Gemüse mit bis zu 50 Milligramm – der Grenzwert in Indien beträgt 2,5 Milligramm.

Doch in der Hauptstadt von West-Bengalen weiß der Kunde seit dem letzten Jahr nicht so recht, ob er wirklich Chicken in seinem Curry hat: Auf dem Raja-Basar beschlagnahmte die Polizei 20 Tonnen Fleisch, das von Kadavern von Hunden und Katzen stammte. Laut der Behörden wurde das verrottete Fleisch mit Formalin gewaschen und gegen den Gestank mit einer Mischung aus Aluminium-Sulfat und Blei-Sulfat eingesprüht.

Morgens in Kolkata. Foto: Gilbert Kolonko

Auch eine aktuelle Studie des Indian Council of Medical Research (ICMR) zweifelt den Vorteil von Hühnchen gegenüber Gemüse an: Von 207 untersuchten,

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