STANDPUNKTE • Eine neue Runde im Fake-Krieg des absteigenden Imperiums gegen die neue Nummer Eins | KenFM.de

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28-12-19 10:47:00,

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Ein Standpunkt von Wolfram Elsner.

China ist die neue Nummer Eins, vor allem qualitativ. Was dieses Land, das soeben laut Weltbank die Gruppe der Entwicklungsländer verlassen und die Gruppe der Länder mit unterem durchschnittlichen Einkommen erreicht hat, aus seinem bescheidenen Pro-Kopf-Einkommen an Hebelwirkungen in alle Lebensbereiche hinein bewirkt – in Ökologie, Sozialversicherung, Arbeitsrecht, Lohnerhöhungen, Rückverteilung nach unten, Technologie, Stadtentwicklung, regionalem Ausgleich, Eigentumsformen, Förderung kleinen Unternehmertums, Wirtschaft und Finanzen, sozialer Mobilisierung, Partizipation und öffentlicher Diskussion sowie an internationaler Hilfe und Infrastrukturentwicklung – ist historisch ungekannt und schlicht atemberaubend. Angesichts der Verlangsamungen, Sklerotisierungen, Ineffektivitäten und kollektiven Handlungsunfähigkeiten im niedergehenden de-regulierten, immer autoritärer werdenden neoliberalen Finanzkapitalismus steht der westliche Besucher Chinas zunächst nur sprachlos-staunend vor der Leichtigkeit und Geschwindigkeit des chinesischen Wandels, der Innovations- und Experimentierfreude der Chinesen, vom Techniker in der Fabrik bis zum Staatspräsidenten. Turbokapitalismus, Staatskapitalismus, Diktatur, neues Imperium usw., all diese eurozentristischen alten Formeln, gerne auch in Varianten der alten euro-intellektuellen Sozialismusvorstellungen, lösen sich angesichts der chinesischen Realität, auch der Lebendigkeit der öffentlichen Diskussionen, der Bereitschaft zum Verändern eigener Verhaltensweisen, in Luft auf. Diese neue Nummer Eins ist einfach anders, und wir müssen unser eigenes liebgewordenes Selbstverständnis hinterfragen, um dieses vielfältige, dynamische Etwas auf dem Weg zu etwas wirklich Neuem zu verstehen, das man getrost ein Frühstadium eines neuartigen Sozialismus – kein einfacher Top-down-Staatssozialismus und kein klassischer Mangel- und Armutssozialismus mehr – nennen darf.

Dass das Imperium, das einzige Land der Erde, das jemals einen globalen, absoluten Dominanzanspruch erhoben und zwischen 1991 (Ende der Sowjetunion) und 2008 (große Finanzkrise, anhaltende Rezession, China als Weltkonjunkturlokomotive) auch praktiziert hat, nun für jedermann erkennbar, unweigerlich, fast täglich erfahrbar und beschleunigt durch jede einzelne Maßnahme Trumps, absteigt zur Nummer Zwei, braucht heutzutage kaum mehr belegt und begründet zu werden. Einschlägige Bankenprognosen für das Jahr 2030 sehen die USA bereits auf Platz Drei. Die Welt verändert sich rasant an den USA und ihrem europäischen Gefolge vorbei – jedenfalls so, dass diese es nicht mehr aufhalten können. China, Russland, Indien, Südostasien … neue Aufsteiger, neue globale Akteure, neue Bündnisse.

In zwölf von fünfzehn Fällen solcher Aufstiegs-Abstiegs-Konstellationen der letzten 500 Jahre hat es nach dem Wirtschaftskrieg einen heißen Krieg durch die Absteiger gegeben.

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