Irak: Die nächste Fehleinschätzung der USA

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02-01-20 03:46:00,

US-Botschaft in Bagdad. Bild: US-Außenministerium/gemeinfrei

Für die gewaltsamen Proteste an der US-Botschaft in Bagdad mit Brandstiftung wird Iran verantwortlich gemacht. Dabei wird einiges übersehen

Die leichteste Erklärung zu den aktuellen Eskalationen im Irak findet sich in Zeilen wie diesen: “Die Fähigkeit Irans, Milizen einzusetzen, damit sie – mit irakischer Unterstützung – die amerikanische Botschaft angreifen können, machte klar, wie viel Macht Iran im Irak hat.” Auf dem Foto, mit dem die New York Times die zitierte Überschrift zu ihrem Artikel illustriert, sieht man unterschiedliche Fahnen.

Ganz prominent ist die irakische Fahne im Zentrum des Bildes. Links davon, bei einer Gruppe von jungen Männern, die über eine Mauer der US-Botschaft in Bagdad klettern, sind gelbe und grüne Fahnen zu sehen, die auf Milizen der al-Haschd asch-Scha’bi (deutsch: Volksmobilmachungskräfte) verweisen. Auch hier weht eine irakische Fahne. Am rechten Bildrand ist eine US-Flagge zu sehen, die schwarz durchkreuzt ist, womit ganz sicher kein Zeichen der Sympathie übermittelt werden soll.

Wozu dieser Blick auf die Fahnen? Weil er auf Widersprüche zur Lesart der amerikanischen Zeitung aufmerksam macht, die eine gewisse Eindeutigkeit in Anspruch nimmt. Die Gegenthese dazu lautet, dass es sich bei den Protesten an der US-Botschaft, die zu einem Angriff auf dessen Territorium und einer Brandstiftung führten, um einen Anti-US-Protest handelt. Und dieser werde mit der Aktivität iranischer Strippenzieher nicht hinreichend erklärt, sondern eher propagandistisch kanalisiert.

Es sei auffallend, so Beobachter, die der US-amerikanischen Erklärung der Vorgänge der letzten Tage kritisch gegenüberstehen, dass Medien in den Wochen zuvor von “irakischen Protesten” berichteten, wenn sich diese gegen iranische Einrichtungen oder Ziele wendeten. Sobald sich Proteste aber gegen die US-Präsenz und deren Einfluss richten, so sei die Sprachregelung die, dass es sich nicht um “irakische Proteste” handelt, sondern um eine von Iran gedeckte Aktion.

Ein US-Vergeltungsschlag

Aus der anderen Sicht auf die Ereignisse, wie sie prägnant beispielhaft beim belgischen Journalisten Elijah J. Magnier nachzulesen ist, wird auch der “Vorfall”, der den Ausschreitungen an der US-Botschaft zu Jahreswechsel zugrunde liegt, anders geschildert. Es geht um den Angriff der US-Luftwaffe am vergangenen Sonntagabend auf Ziele in Irak, der von der US-Regierung als Vergeltung dargestellt wird. Als Ziel wurde die Miliz Kata’ib Hezbollah genannt,

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