Kumpel und Komplizen – Warum die Natur auf Partnerschaft setzt. Eine Besprechung des neuen Buches von Volker Arzt

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02-01-20 04:01:00,

Ich gestehe, ich hätte mir das Buch allein schon wegen des Titels und des Bildes gekauft. Zunächst habe ich mir die Passagen über Elefanten, Bonobos und Rabenvögel ausgesucht, also nicht mit Seite eins begonnen. Das Sozialverhalten dieser Tiergattungen fasziniert mich schon seit längerer Zeit. Jedenfalls habe ich die gewählte Reihenfolge nicht bereut, denn meine Neugier wurde durch diese „vorgezogene Lektüre“ befeuert. Anette Sorg

Volker Arzt, Physiker und Wissenschaftsjournalist, schildert in 12 Kapiteln, dass Empathie und Hilfsbereitschaft keine Verhaltensweisen sind, die der Spezies Mensch, dem Homo sapiens, vorbehalten sind, sondern dass diese auch im Tierreich und sogar in der Pflanzenwelt zu beobachten sind. Mannigfach und nicht ausnahmsweise.

Manch einer mag das befremdlich finden, wenn er den Menschen noch immer als Krone der Schöpfung betrachten möchte. Diesen Zahn allerdings zieht Volker Arzt seinen Lesern gründlich.

Die Unterkapitel tragen teils witzige, häufig neugierig machende Überschriften, wie z.B. „Gotteslästerliche Lebensweise“, „Gekaufte Mobilität“ oder „Das Knöllchen-Wunder“. Nicht nur diesen ist der große Sinn des Autors für Humor zu entnehmen. Auch die persönlich erlebten Geschichten, allen voran die vom Wollaffen in Apenheul in Holland stibitze Brille, geben einen Einblick in seine Wissbegier einerseits und seine Liebe zur Natur andererseits, über die er gerne mit einem Augenzwinkern schreibt. Dabei nutzt er wissenschaftliche Fachbegriffe nur, wenn notwendig, nicht ohne sie gleich zu erklären:

Dass „tit for tat“ aus dem Englischen die Bedeutung hat „wie du mir so ich dir“ (z.B. S. 130 ff) ist sicher den meisten LeserInnen noch geläufig, dass mit „reziprokem Altruismus“ der „verzögerte Eigennutz“ gemeint ist (S. 144 ff), dürfte hingegen den wenigsten bekannt sein. Letzteres beschreibt Volker Arzt anschaulich mit Hilfe einer Vampirfledermaus, die, wenn sie bei ihrer nächtlichen Jagd auf z.B. Rinderblut erfolgreich war, nicht erfolgreiche Jägerinnen vor dem Hungertod bewahrt, indem sie diesen eine „Blutspende“ gibt. Da die Rollen wechseln und jede der Fledermäuse einmal in die bedürftige Situation kommen kann, ist dieses Verhalten zu erklären.

Wissenschaftler wie Charles Darwin, Bill Hamilton und Robert Trivers werden mit ihren Theorien dargestellt. Hamiltons Theorie der (ausschließlichen) „Verwandtenselektion“ wird mit vielen Beispielen widerlegt und Trivers‘ Entdeckung des oben dargestellten reziproken Altruismus wird in ihrer Bedeutung gewürdigt. Dasselbe gilt für bekannte Tierforscherinnen und -forscher. Die wichtigen Arbeiten und Erkenntnisse von Jane Goodall und Cynthia Moss z.B. werden an vielen Stellen erwähnt und ausreichend wertgeschätzt.

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