Georg Rammer über die politischen Verhältnisse unserer Zeit: „Viele hören die Lügen, spüren die Heuchelei“

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05-01-20 04:22:00,

„Was wollen wir unseren Kindern und Enkeln in 25 Jahren, nach weiteren Kriegen und Zerstörungen, auf die drängende Frage antworten: Warum habt ihr nichts getan?“ Diese Frage wirft der Psychologe und Publizist Georg Rammer im NachDenkSeiten-Interview auf. Der Aufbau von Feindbildern in den Medien, die Ignoranz vieler Intellektueller gegenüber den Lügen der Mächtigen, die Auswirkungen einer verdrehten Realität auf die Menschen: Das sind die Themen des Interviews. Nicht „Fake News“ seien die Gefahr unserer Zeit, sondern eine „Fake Reality“, die von machtelitärer Seite versucht werde, den Bürgern als real zu verkaufen. Ein Interview, das nachdenklich macht. Von Marcus Klöckner

Herr Rammer, Kriege werden geführt, die Umwelt zerstört, Menschen sterben jeden Tag an den Folgen einer machtelitär entfesselten Politik. Stimmen Sie der Aussage zu?

Ja, fast täglich erreichen uns dazu neue Meldungen. Zwar beklagt die Machtelite, die Welt sei aus den Fugen. Offensichtlich bleibt es aber unsere Aufgabe, die Ursachen und Zusammenhänge zu beleuchten: Wer ist verantwortlich? Welche Interessen treiben diese Entwicklung voran?

Sie haben gerade ein Essay veröffentlicht mit dem Titel: „Schlafwandler oder Kriegstreiber: Die Eigendynamik imperialer Interessen“. Um Ihren Gedanken aufzugreifen. Schlafwandelt die Politik oder haben wir es mit Kriegstreibern zu tun?

Schauen wir als Beispiel die Politik unserer Verteidigungsministerin an. Sie fordert, dass Deutschland Soldaten nach Ost- und Südostasien schickt, um China Grenzen aufzuzeigen. Sie will ferner deutsche Militäreinsätze deutlich ausweiten und den Militärhaushalt erhöhen. Immer offener vertritt Deutschland seine imperiale Politik, für den Bedarf an Rohstoffen und seine strategischen Interessen Militär einzusetzen. Das schöne Narrativ, wir müssten in der ganzen Welt den Menschenrechten zum Durchbruch verhelfen, wird gar nicht mehr bemüht. Obwohl durch Feindbilder, Aufrüstung und Militärinterventionen die Kriegsgefahr angeheizt wird, wird natürlich kaum ein verantwortlicher Politiker sagen: Wir wollen Krieg! Faktisch wird aber die Gefahr weiterer Kriege erhöht – und viele Menschen gewöhnen sich allmählich daran.

Die Gemengelage ist also komplex?

Die Komplexität ergibt sich nur daraus, dass Regierungen Angst haben vor Bevölkerungsmehrheiten. Alle Umfragen der letzten Jahre in Deutschland haben nämlich sehr deutlich gezeigt, dass die meisten Menschen keine Aufrüstung und keine Militäreinsätze wollen. Zwar gilt schon seit Anfang der 1990er Jahre die Parole, die der damalige Generalinspekteur der Bundeswehr ausgegeben hatte: “Es gibt zwei Währungen in der Welt: wirtschaftliche Macht und die militärischen Mittel,

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