Der Milliardär schenkt uns ein Museum

der-milliardar-schenkt-uns-ein-museum

06-01-20 03:47:00,

Die Stiftung des SAP-Mitgründers Hasso Plattner eröffnet mit einem Museum für zeitgenössische Kunst bereits das zweite Kunsthaus in Potsdam. Neue Kulturorte sind sehr zu begrüßen, auch sollte privates Kultur-Engagement nicht pauschal diffamiert werden – aber der Vorgang wirft Fragen auf: In welchem Maß darf privates Geld die Kulturszene einer Stadt prägen? Wie intensiv darf Kultur-Engagement für Werbung in eigener Sache genutzt werden? Warum holt sich die Gesellschaft nicht die nötigen Mittel, um das Kulturleben selbstbestimmt zu organisieren? Von Tobias Riegel.

Das in der DDR eröffnete Potsdamer Restaurant „Minsk“ soll im Herbst 2021 als Museum für zeitgenössische Kunst wieder öffnen. Das Ziel sei ein weiterer „kultureller Hotspot“ in Potsdam, in dem Werke zeitgenössischer Künstler präsentiert werden, deren Schaffen unter anderem bis in die DDR zurückreiche, teilte die Stiftung des SAP-Mitgründers Hasso Plattner am Donnerstag mit, wie Medien berichten. Die Stiftung des Milliardärs betreibt bereits das Museum Barberini in Potsdam im wiederaufgebauten gleichnamigen Palais am Stadtschloss. Die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung hatte im vergangenen Jahr grünes Licht für das neue Museum im „Minsk“ gegeben, lange Zeit war geplant, das Gebäude abzureißen, schreibt etwa der „Tagesspiegel“.

Haben reiche „Mäzene“ das Recht, Kulturlandschaften zu prägen?

Der Vorgang ist widersprüchlich: Einerseits ist sowohl die Eröffnung eines neuen Museums als auch der Erhalt eines beliebten DDR-Baus sehr zu begrüßen. Andererseits ist zu kritisieren, dass die Stadt Potsdam damit ein weiteres Stück seiner kulturellen Landschaft von einem privaten Unternehmer prägen lässt. Dagegen wiederum lässt sich einwenden, dass das geplante Museum ohne die private Initiative sehr wahrscheinlich gar nicht entstehen würde und dass es noch gar nicht Teil der Potsdamer Kulturlandschaft ist. Zum widersprüchlichen und teils aber auch destruktiven Charakter von privatem Kultur-„Engagement“ haben die NachDenkSeiten kürzlich diesen Artikel veröffentlicht. Darin werden etwa folgende Fragen gestellt, die sich auch nun in Potsdam aufdrängen:

„Haben private Großspender das Recht, die Kulturlandschaften zu prägen, nur weil sie wohlhabend sind? Haben Sie das Recht, sich als besonders ‚freigiebige‘ Mitglieder der Gesellschaft darzustellen und mit diesem ungerechtfertigten Status zu werben? Muss man ihnen gar für ihr ‚kulturelles Engagement’ dankbar sein? Und: Hat der Staat das Recht, die Konzerne durch seine Untätigkeit erst in die Lage zu versetzen, sich als ‚kulturelle Wohltäter‘ produzieren zu können?“

Solche Fragen sehen aber etwa die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ bei den aktuellen Museumsplänen nicht,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: