Daumen hoch auf Bewährung: Facebook „schenkt“ TU München ein „Ethikinstitut“ – solange die Ergebnisse passen

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08-01-20 08:59:00,

Der Social-Media-Konzern Facebook und die Technische Universität München sind vor rund einem Jahr eine Kooperation eingegangen. Damals wurde die Unabhängigkeit der Uni und der beteiligten Forscher beteuert. Bekannt gewordene Dokumente ziehen das in Zweifel. Ralf Wurzbacher sprach mit Christian Kreiß über Abhängigkeiten der Forschung von Konzerninteressen.

Über den Gesprächspartner: Christian Kreiß, Jahrgang 1962, arbeitete als promovierter Volkswirt jahrelang im Bankwesen, unter anderem als Investmentbanker bei der Bayerischen Landesbank München und der Dresdner Bank Gruppe. Seit 2002 ist er Professor für Finanzierung und Wirtschaftspolitik an der Hochschule Aalen. Von ihm erschien 2015 im Europa-Verlag das Buch „Gekaufte Forschung: Wissenschaft im Dienst der Konzerne“ sowie im Oktober 2019: „Blenden Wuchern Lamentieren: Wie die Betriebswirtschaftslehre zur Verrohung der Gesellschaft beiträgt“. Weitere Infos finden sich auf der Hompage von Christian Kreiß menschengerechtewirtschaft.de.

Herr Kreiß, vor rund einem Jahr waren der Social-Media-Gigant Facebook und die Technische Universität München (TUM) eine Kooperation eingegangen, in deren Rahmen zum 7. Oktober 2019 ein Institut zur Ergründung ethischer Grundsätze bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) auf Rechnung des US-Konzerns eröffnet wurde. Als die Partnerschaft publik wurde, beteuerten beide Seiten, die Unabhängigkeit der Uni sowie die der beteiligten Forscher bleibe „natürlich“ unberührt. Nun sind vor Weihnachten Teile der Verträge ans Licht der Öffentlichkeit gelangt, die zumindest Zweifel an der Darstellung aufkommen lassen. Oder gehen Sie noch weiter und sagen, der Schwindel ist aufgeflogen?

Ja, in dieser Deutlichkeit kann man das sagen. Alle Beteiligten hatten bisher stets behauptet, es gebe keinerlei Auflagen oder Vorgaben, an die das Engagement vom Facebook gebunden wäre. Jetzt, da diese Dokumente aufgetaucht sind, lässt sich feststellen: Die Darstellung war falsch: Facebook nimmt sich nicht nur das Recht heraus, die Mittel für dieses „Institute for Ethics in Artificial Intelligence“ jederzeit zu stoppen, sondern legt auch die Schlüsselpersonalie fest.

Was steht dazu konkret in den Verträgen?

Es sind ja insgesamt drei Dokumente ans Tageslicht gekommen, wovon dieser „Facebook Unrestricted Gift Letter“, der nur etwa eineinhalb Seiten lang ist, die größte Brisanz birgt. Dieser Brief trägt die Unterschriften des ehemaligen TU-Präsidenten Wolfgang Herrmann, des Institutsleiters Christoph Lütge und des bei Facebook für Künstliche Intelligenz zuständigen Vizepräsidenten Jerome Pesenti. Lütge wird darin als der Gründungsdirektor des Instituts angesprochen beziehungsweise regelrecht dazu ernannt und es wird zugleich festgehalten,

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