Mittäter Deutschland

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10-01-20 10:39:00,

Die Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani durch die Vereinigten Staaten dominiert seit Tagen die Schlagzeilen. Viele Dinge wurden bereits gesagt, und natürlich scheiden sich auch in diesem Fall die Geister. Dabei sollten jedoch die Fakten nicht untergehen. Der Angriff auf Soleimani war eine völkerrechtliche Hinrichtung und Mittäter ist auch in diesem Fall – so wie bei allen Drohnen-Morden – die deutsche Bundesregierung. Von Emran Feroz.

Trotz all der besorgniserregenden Entwicklungen im Nahen Osten sollte spätestens nach Donald Trumps jüngsten Statements klar sein, dass eine direkte Konfrontation zwischen den USA und dem Iran nicht eintreten wird. Entgegen der „Analysen“ einiger privilegierter Panikmacher wird vor allem der Stellvertreterkrieg in der Region weiterhin entfacht werden. Konkret bedeutet dies, dass in erster Linie die Menschen in Staaten wie dem Libanon, Irak, Syrien, Jemen oder Afghanistan weiterhin in Mitleidenschaft gezogen werden. Aus dem „Dritten Weltkrieg“, der von manchen nach der Tötung Qassem Soleimanis heraufbeschworen wurde, wird nichts. In diesem Kontext sollte allerdings erwähnt sein, dass für viele Menschen in der Region bereits seit Jahren aufgrund des anhaltenden Chaos und der Zerstörung eine Art Weltkriegszustand vorherrscht.

Ein Narrativ, das im Schatten der Tötung Soleimanis nun abermals aufgeflammt ist, ist jenes der vermeintlich präzisen Drohne – einer Superwaffe, die ausschließlich böse Buben tötet. Dem ist allerdings nicht so. Die allermeisten Drohnen-Angriffe töten weiterhin hauptsächlich Zivilisten, die im Gegensatz zu Soleimani kaum beachtet werden. Am vergangenen Donnerstag wurden in der westafghanischen Provinz Herat über 60 Zivilisten, vermeintliche Taliban-Kämpfer, durch eine US-Drohne getötet und verletzt.

Afghanistan ist weiterhin das am meisten von Drohnen bombardierte Land der Welt. Wie viele Angriffe dort stattgefunden haben, etwa im vergangenen Jahr, ist unbekannt. Das US-Militär veröffentlicht lediglich Zahlen zu Bombenabwürfen und Raketenabschüssen. Es unterscheidet nicht zwischen bemannten und unbemannten Fluggeräten. Laut dem im London ansässigen Bureau of Investigative Journalism fanden 2019 mindestens 5.888 Drohnenangriffe statt. Wahrscheinlich waren es viel mehr. Das Bureau bemüht sich, mittels weniger Ressourcen den Drohnenkrieg im Land zu observieren, hauptsächlich durch den Vergleich von Daten, die online zur Verfügung stehen, etwa den Angaben des US-Militärs sowie Berichten in lokal-afghanischen und internationalen Medien.

Sofern es möglich ist, unterscheiden auch die Beobachter des Drohnenkrieges sehr konkret zwischen bewaffneten Kämpfern und Zivilisten. Das ist gut und wichtig, doch es muss nicht immer richtig sein.

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