10 Sekunden für eine Entscheidung im Kriegslärm

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11-01-20 09:06:00,

Bild: Hossein Mersadi/Fars News/CC BY-SA-4.0

Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden gibt Einzelheiten und Umstände des Abschusses der ukrainischen Passagiermaschine bekannt. Es zeigt sich, wie berechtigt Warnungen vor einer Eskalation im Konflikt zwischen den USA und Iran sind

Zehn Sekunden Zeit hatte der Mann am iranischen Tor-M-1-Luftabwehrsystem, um zu entscheiden, ob er den Knopf drückt, erklärte der für die Luftabwehr zuständige Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden (IRGC), Amirali Hadschisadeh (auch: Amir-Ali Hajizadeh) in einer Pressekonferenz zum Hergang des Abschusses (Video hier) der ukrainischen Passagiermaschine am vergangenen Mittwoch.

Der operator machte einen katastrophalen Fehler. Er entschied sich dafür, die Boeing für eine feindliche Rakete zu halten. Die von ihm abgeschossene Tor-Rakete traf nach bisherigem Informationsstand das Cockpit der Boeing, was zum Absturz der Passagiermaschine führte – und zum Tod von 176 Menschen, die nichts mit den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Iran und den USA zu tun hatten.

Er traf die schlechte Entscheidung

Der Mann hatte keine Kommunikationsverbindung zu Vorgesetzten im Kommando, so Hadschisadeh: “Sein Kommunikationssystem war offensichtlich gestört, entweder weil es gejammt worden war oder wegen des hohen Verkehrs.” Die genaue Ursache der Störung muss noch geklärt werden, viele weitere Fragen sind noch offen. Feststeht laut dem iranischen Kommandeur, dass der Verantwortliche am Luftabwehrsystem 10 Sekunden hatte, um zu entscheiden, ob er das Ziel treffen will oder nicht.

Er traf die schlechte Entscheidung, sagt Hadschisadeh – “unter diesen Umständen”. Die Luftabwehr war in höchste Alarmbereitschaft versetzt, erklärt er die Umstände. Es habe Anzeichen gegeben, die für einen Angriff von feindlichen Missiles sprachen.

Mehrfach wurde die Abwehrsysteme, eingeschlossen dasjenige, das in den Vorfall involviert ist, vom Abwehrnetzwerk in Kenntnis gesetzt, dass Cruise Missiles auf das Land abgefeuert wurden. Eine Male haben sie Berichte bekommen, dass “die Cruise Missiles kommen, seid vorbereitet”.

Amirali Hadschisadeh

Eskalationspotential realisiert

Dass diese Nachrichten sehr ernst genommen wurden, hing, wie der Kommandeur erklärte, mit der Drohung des US-Präsidenten Trump zusammen, wonach die USA 52 iranische Ziele im Visier hätten. Trump hatte dies am vergangenen Samstag über Twitter verkündet, zusammen mit der Warnung in Großbuchstaben, dass die USA sehr schnell und sehr hart zuschlagen könnten.

Die Twitter-Botschaft erfolgte im Zusammenhang mit etwaigen iranischen Vergeltungsschlägen aufgrund der Ermordung des iranischen Generals Soleimani Tage zuvor durch US-Drohnen.

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