Nach dem Opioid-Massensterben Milliarden ins Trockene gebracht

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06-02-20 09:46:00,

Eine von vielen Protesten in den USA gegen die Familie Sackler © eb

Christa Dettwiler / 06. Feb 2020 –

Vor dem Konkurs der Firma zweigte die Besitzerfamilie der Pharmafirma Purdue über zehn Milliarden Dollar in die eigene Tasche ab.

Es ist eine schier unendliche Geschichte. 1995 brachte die Pharmafirma Purdue das Opioid Oxycontin auf den Markt. Zwölf Jahre und Hunderttausende Abhängige und Tote später, gestand die Firma vor Gericht ein, das Medikament wider besseres Wissens als nicht abhängig machend vermarktet zu haben. Mittlerweile sieht sich Purdue mit 2800 Klagen konfrontiert. In den letzten zwanzig Jahren sind in den USA fast eine halbe Million Menschen an den Folgen von Oxycontin-Abhängigkeit gestorben.

Diese Opioid-Krise hat die Besitzerin des Unternehmens, die Familie Sackler, steinreich gemacht. Wie reich genau, ist für die Untersuchungsbehörden kaum zu eruieren, zu gut sind die Vermögenswerte der Familie rund um die Welt versteckt.

Eine neue Finanzüberprüfung hat nun ergeben, dass die Familie – seit der rechtliche Druck auf Purdue gestiegen ist – sagenhafte 10,7 Milliarden US-Dollar in Trusts und Holdings verschob, welche die Familie kontrolliert. Das ist mehr als achtmal soviel, wie sich die Familie in den 13 Jahren nach der Zulassung von Oxycontin von Purdue gutschreiben liess.

Die finanziellen Verhältnisse des Unternehmens und der Besitzerfamilie sind relevant für das Festsetzen von Entschädigungszahlungen. Die New Yorker Staatsanwältin Letitia James sagte gegenüber der «New York Times»: «Wir brauchen volle Transparenz aller ihrer Vermögenswerte und müssen wissen, ob sie zurückgehalten wurden, um sie gegen Gläubiger und Opfer zu schützen.»

Der neue Finanzreport zeigt auch, wie sich die neue Leitung im Zug der Purdue-Restrukturierung darum bemüht, das Unternehmen von der Familie zu entflechten. Sie forderte von Familienmitgliedern Darlehen in Höhe von 313 Millionen Dollar sowie Ausgaben in Höhe von einer Million Dollar zurück, darunter 477’351 Dollar für Mobiltelefonrechnungen.

Auch die in den Rechtsstreit involvierten US-Bundesstaaten interessieren sich für die Rechtmässigkeit von Transaktionen zwischen dem Unternehmen und der Besitzerfamilie. So verwies der Staat Oregon in seiner Klage darauf, dass die Sacklers normalerweise zwischen vier und 15 Prozent der Verkaufserlöse erhielten. 2007, als der Skandal losbrach, stieg dieser Prozentsatz auf 25 und 2008 sogar auf 65 Prozent.

Eine Spur der verschlungenen Finanztransaktionen führt auch in die Schweiz.

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