„Kulturzeit“ in 3sat: Instrument neoliberaler Meinungsmache

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12-02-20 09:09:00,

Auch Berichte über Kultur sind wichtige Transportmittel der Meinungsmache. Zusätzlich zur Verbreitung verzerrender Darstellungen ist dabei zu kritisieren, dass die propagandistische Intention teils hinter „unschuldigen“ Themen versteckt werden soll. Beispiele für mutmaßliche Manipulationen  lieferte wohl auch das Format „Kulturzeit“ des Senders 3sat. Frank Blenz hat „Kulturzeit“-Produktionen zu den Themen „Russland“ und „Julian Assange“ untersucht – wir drucken seinen Beitrag hier ab. Von Redaktion.

Kulturzeit – Instrument einer neoliberalen Meinungsmache – Zwei Beispiele

Wer eine ausgewogene, interessante, vielfältige Fernsehsendung in Sachen Kultur, Kunst, Politik und Gesellschaft sehen will, findet sie, so die naive Annahme, in der „Kulturzeit“, länderübergreifend von 3sat in Deutschland, der Schweiz und Österreich produziert. Dass die Sendung indes als Instrument von Meinungsmache und Deutungshoheit neoliberaler Ideologie und Lebensart benutzt wird, ist wiederkehrend zu beobachten, kürzlich in zwei Fällen, Stichworte „Russland“ und „Assange“. Von Frank Blenz.

Russland. Die Sendung „Kulturzeit“ von 3sat vom 4. Februar geriet zu einem antirussischen Schmierenstück. Der Tenor lautete, dass 1. Russland aktuell ein Land mit großer Armut in der Welt der Globalisierung sei, dass 2. die Sowjetunion auseinanderbrach und schwere Verwerfungen erzeugte (und das aus sich heraus) – und dass das bis heute so sei, was 3. eine weißrussische Nobelpreisträgerin für Literatur dann im folgenden Interview entsprechend mit ihren Aussagen bestätigen sollte.

Die Redaktion brachte es fertig, ein Konstrukt mittels des Themas Armut zusammenzuzimmern, welches schlicht dazu gebraucht wurde, das heutige Russland anzuschwärzen. Die Autoren der Sendung boten einen Beitrag über die Armutsforscher Esther Duflo und Abhijit Banarjee, beide Träger des Nobelpreises für Wirtschaft 2019, zum Thema Armut. Danach leitete der Moderator zu zwei Beiträgen über: Die Oper “Boris Godunow” und der Zerfall der Sowjetunion wurden in einen Kontext gebracht. Das wurde besprochen mit Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch, einer Schriftstellerin aus Weißrussland. 2015 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur. Vor allem die An-Moderation nach dem Beitrag über Duflo und Banarjee ließ einen den Kopf schütteln (ab 1:15 min.).:

„Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander – besonders krass ist der Unterschied in Russland, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion1991 haben die meisten Menschen nicht mehr genug zum Leben gehabt und bis heute ist die Armut hoch.“

Die Kulturzeitredaktion unterließ es, die Ursachen für die sozialen, politischen und ökonomischen Verwerfungen in der Sowjetunion und im nachfolgenden Russland zu besprechen.

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