Spanien: “Die Ärmsten werden im Stich gelassen”

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12-02-20 08:50:00,

Foto: Ralf Streck

Der UNO-Sonderberichterstatter für extreme Armut zieht nach einem zwölftägigen Besuch in Spanien eine erschreckende Bilanz

Schlimmer hätte für Spanien die Beurteilung kaum ausfallen können, allerdings muss man über die deutsche Presse hinausschauen, um darüber zum Beispiel etwas im britischen Guardian zu lesen oder im französischen Figaro. Und der Australier Philip Alston, der seit 2014 Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen (UN) für extreme Armut ist, weiß, was fatale Zustände sind.

Der Experte ist entsetzt darüber, dass er extreme Armut ausgerechnet bei seinem zwölftägigen Besuch mitten in Europa feststellen musste: “Ich fand in Arbeiter-Ansiedlungen Bedingungen vor, die mit den schlechtesten konkurrieren, die ich je auf der Welt gesehen habe.”

Besucht hat er sechs Regionen, aber besonders erschreckt haben ihn Hüttendörfer im südspanischen Andalusien, wo Flüchtlinge und Einwanderer, die als Tagelöhner in der Ernte eingesetzt werden, “wie Tiere leben” müssen. Sie verdienen pro Tag nicht einmal 30 Euro, deutlich weniger als der Mindestlohn. “Ich habe schlechtere Siedlungen als in Flüchtlingscamps gesehen”, sagt der Professor von der New York University School.

Besonders schockierend war das Lager von Erdbeerpflückern in Huelva, mit Leuten, die dort schon fünf Jahre sind.

Philip Alston

Die Lager befinden sich oft Kilometer entfernt vom Zugang zu Wasser, Elektrizität oder sanitären Einrichtungen. Obwohl Bewohner erklärt hätten, sie könnten eine Miete bezahlen, würden sie nicht akzeptiert, weist er auf einen Rassismus in einem Gebiet hin, wo die rechtsextreme Vox-Partei erstmals in ein Regionalparlament einzog und dort sogar die Rechtsregierung stützt, wie nun auch in Madrid und Murcia.

In Murcia, wo es viele Gewächshäuser und Jobs gibt, die die einheimische Bevölkerung nicht machen will, ist Vox bei den Parlamentswahlen sogar stärkste Kraft geworden. Auch in einigen Gegenden Andalusiens ist sie bereits stärkste Partei und erhielt bei den Parlamentswahlen im November bis zu 35 Prozent, gerade dort, wo es viele Erntehelfer gibt.

“Ein in sozialen Fragen zerbrochenes Land”

Der Experte spricht in seinem Vorabbericht für die UN von einem in sozialen Fragen “zerbrochenen” Land. Das sei das Ergebnis nach mehr als 10 Jahren, in denen Regierungen “lieber eine Politik für Reiche als für Arme”

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