Das Inferno von Dresden

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13-02-20 04:46:00,

Historiker, Geschichtsforscher – sie haben auch eine Verantwortung, eine Verantwortung gegenüber der Geschichte, die sie versuchen zu ergründen. Die schließt Anstand und Achtung vor jenen Menschen ein, die in jeglicher Weise Teilnehmer und Betroffene des Geschehens sowie dessen Folgen gewesen sind.

Wenn sogenannte Rechte regelmäßig die Bombardierung von Dresden zum Anlass nehmen, um sich selbst zu inszenieren, dann nutzen sie fraglos die Stimmungen der Menschen für sich aus, die spüren, wie hier Geschichte manipuliert wird, um Freund-Feind-Bilder entsprechend des politischen Realitätsverständnisses zu stärken.

Besonders bedauerlich stellt sich der Versuch dar, die Zeugen des Dresdner Infernos – sagen wir es salopp – für nicht ganz dicht zu deklarieren. Historiker können gern auch die Psychologie für ihre zeithistorische Forschung nutzen, das hilft beim Verstehen. Etwas anderes ist es, wenn sie sich als Psychiater versuchen.

Lassen wir dazu in diesem Beitrag einen Zeitzeugen zu Wort kommen, einen der als Kind hautnah den Untergang Dresdens erlebt hat, einen Dresdner in hohem Alter, den ich persönlich kenne. Ein Mensch, der trotz allem auch heute noch geistig voll auf der Höhe ist und mit Abstand und Bedacht die Worte wählt. Er – Jürgen – hat mir dankenswerterweise gestattet, ihn ausführlich zu zitieren und zu kommentieren.

Jürgen begann seine Einlassungen zum 13. Februar 1945 so:

„Seit 1946 gedenken die Dresdner der Folgen von vier Luftangriffen angloamerikanischer Bomberverbände vom 13. bis 15. Februar 1945 auf Dresden. Der vierte Angriff, am 15. Februar, 12 Uhr, wird selten erwähnt, wahrscheinlich weil dort tatsächlich doch noch einige militär-strategische Objekte getroffen wurden. Damit gab man (gemeint ist die britische- und US-amerikanische Führung) dem Terror am Ende den Anschein einer militärischen Bedeutung. Es folgten 45 Jahre Betroffenheit und Trauerstimmung mit Kranzniederlegungen und kleineren Veranstaltungen sowie am Abend, zur Erinnerung an den Beginn des ersten Angriffs, kurz nach 22 Uhr das Glockenläuten aller Dresdner Kirchen. In der ersten Zeit erinnere ich mich auch an das Ertönen der Sirenen zu jener Abendzeit. Sicher war es für alle, die den Angriff erlebt haben, eine zu große psychische Belastung. Ich glaube, die Sireneneinlage gibt es schon lange nicht mehr. Kurzum: Dieser 13. Februar war ein echter Trauertag, und ich hörte damals nie irgendwelche Streitgespräche über Einzelheiten der Bombenangriffe.“

Den Worten des alten Dresdners möchte ich – ebenfalls Dresdner – eine Aussage des Militärhistorikers der Bundeswehr Rolf-Dieter Müller entgegenstellen,

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