Zwischenmenschlicher Klimawandel

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13-02-20 05:27:00,

Nicolas Riedl: Voriges Jahr hat der WDR-Kinderchor kurzerhand alle Omas – wenn auch unter dem Deckmantel der Satire – zu Umweltsäuen erklärt und damit die tiefe Gesellschaftsspaltung in der Ökologiefrage weiter vertieft. Du schlägst mit deiner Musik, im speziellen mit deinem neuen Track „System Change“, einen ganz anderen Weg ein und versuchst die Menschen wieder zu vereinigen. Was ist deiner Meinung nach der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich beispielsweise Fridays-for-Future-AktivistInnen und Menschen, die das Klimanarrativ skeptisch betrachten, einigen können?

Courtier: Ich glaube, dass wir als Menschen die Aufgabe haben, den Schaden, den wir auf Erden hinterlassen haben, wieder zu beheben. Oder anders, dass wir die Aufgabe haben, die Verantwortung für diesen Planeten zu übernehmen und ihn wieder zu einer Heimat allen Lebens gedeihen zu lassen. Wir haben einen Generationenkonflikt — einen Spalt zwischen Jung und Alt. Und es ist wichtig, dass wir diesen erkennen. Die junge Generation erlebt seit jeher eine Diskriminierung und diese gilt es anzugehen. Dafür braucht es erst mal Bewusstsein, auch von der älteren Generation.

Wir dürfen als junge Menschen aber auch nicht unsere ganze Wut auf die Vorgängergeneration projizieren. Ja, sie haben uns keine Welt der Fülle hinterlassen. Ja, sie haben oftmals nur an sich selbst gedacht. Aber ich denke, dass war eben auch der Zeitgeist.

Oder eine Zeitspanne in der Menschheitsgeschichte, in der wir Menschen dem Materialismus verfallen mussten, um in Kontakt mit unserem Ego und mit unseren Schattenseiten zu kommen. Aber ich denke diese Zeit ist jetzt vorbei. Ich denke, dass jetzt das Zeitalter der Kooperation, des sich wieder Verbindens kommt. Und da braucht es alle Generationen.

Für mich ist der Klimawandel das Thema, das viele hat aufwachen lassen. Und das ist ganz wundervoll. Jetzt kommt es wirklich auf die junge Generation an, ob sie es schafft, einen echten inneren Klimawandel zu vollziehen — aus dem Mangel in eine Fülle zu kommen. Um diesen Schritt zu gehen, brauchen wir alle Generationen. Wir brauchen die Weisheit der Alten und die Kraft der Jungen, um gemeinsam eine gesunde Zukunft zu erbauen. Es geht nur gemeinsam. Aber es geht auch nur auf Augenhöhe. Und deswegen ist es sehr wichtig, den Spalt zwischen den Generationen zu erkennen und ihn bewusst zu beheben. Mit Respekt für die jeweils andere Generation. So können wir einen Krieg zwischen den Generationen verhindern.

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