Putin im O-Ton über die Wirtschaftssanktionen und ihre Folgen | Anti-Spiegel

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17-03-20 11:34:00,

Anlässlich des 20. Jubiläums von Putins Amtsantritt hat der russische Präsident der TASS ein langes Interview gegeben, von dem ich Teile übersetze. Dieses Mal geht es um die Wirtschaftssanktionen.

Ich habe aus dem Interview schon Fragen zur Wirtschaft und zu Chodorkowski und auch über das russische Verhältnis zur Ukraine übersetzt. Heute übersetze ich einen dritten Teil des Interviews, in dem es um die Wirtschaftssanktionen und ihre Folgen geht.

Beginn der Übersetzung:

Vandenko: Wir sind wegen der Ukraine sanktioniert worden.

Wladimir Putin: Drauf gespuckt auf diese Sanktionen. (Anm. d. Übers.: „Drauf gespuckt“ ist im Russischen ein umgangssprachlicher, aber nicht unanständiger Ausdruck, den man auf Deutsch mit „völlig egal“, oder auch mit „scheiß drauf“, oder noch anderen sinngemäßen Formulierungen übersetzen kann.) Nach verschiedenen Schätzungen haben wir etwa 50 Milliarden verloren, aber wir haben den gleichen Betrag auch an anderer Stelle verdient.

Vandenko: Das ist nicht wenig.

Wladimir Putin: Es ist eine Menge, aber die Sanktionen haben uns gezwungen, unsere Gehirne einzuschalten. Wir haben ziemlich viel Geld für die so genannte Importsubstitution ausgegeben und begonnen, solche Produkte und Technologien herzustellen, die wir vorher nicht hatten, oder die wir mal hatten, aber dann vergessen und verloren haben. Und das kommt uns zugute, es diversifiziert unsere Wirtschaft. Tatsächlich hat es uns geholfen, unser Schlüsselproblem zu lösen. (Anm. d. Übers.: Der Westen hat Russland immer vorgeworfen, dass seine Wirtschaft zu stark von Öl und Gas abhängig ist. Ironie des Schicksals ist es, dass ausgerechnet die westlichen Wirtschaftssanktionen der Impuls waren, den Russland brauchte, um diese Abhängigkeit abzubauen und andere Industrien zu entwickeln.)

Vandenko: Aber die Gegensanktionen wurden wahrgenommen, wissen Sie… wie eine Bombardierung von Woronesch (Anm. d. Übers.: Stadt in Russland, die Formulierung könnte also übersetzt werden mit „sich selbst ins Knie geschossen“)

Anm. d. Übers.: Die Gegensanktionen hat Russland 2014 als Reaktion auf die Sanktionen des Westens verhängt und zum Beispiel den Import von Lebensmitteln aus der EU verboten. Das war eine in Russland ausgesprochen unpopuläre Sache, denn die Russen haben zum Beispiel europäische Käse geliebt und ich erinnere mich an die Diskussionen im Freundeskreis 2014, als alle sich beschwert haben, dass es keinen Schimmel- oder Parmesankäse mehr zu kaufen gab.

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