Über einen fast schon obszönen Auftritt der Bundeskanzlerin und die wahrscheinlichen politischen Folgen der großen Show

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17-03-20 09:12:00,

Wenn es nur um die Sache gehen würde, wenn die Lage wirklich ernst wäre, dann dürfte die Bundeskanzlerin nicht eine solche Show abziehen, dann hätte ein Statement hinter oder vor ihrem Schreibtisch gereicht. Gestern stattdessen: Links und rechts Flaggen, je zwei deutsche und je eine europäische; Merkel vor dem Hintergrund einer großen blauen Wand mit Bundesadler.

Offenbar hat die Berliner Politik noch Geld und Inszenierungsvermögen genug, um eine solche Show abzuziehen. Die Show wird inszeniert, um vergessen zu machen, was man alles nicht geleistet und was man sich geleistet hat. Die Folgen der Show sind schon jetzt erkennbar. Das Ansehen der Union wächst laut Umfragen. Der ganze Mist, den man hinterlassen hat – vom Kaputtsparen des Gesundheitssystems über die Privatisierung der Krankenhäuser und die Auslagerung von Laborkapazitäten bis zur Verlagerung der Produktion von medizinischen Gütern in weit entfernte Länder – wird verdeckt und stinkt nicht mehr. Albrecht Müller.

Der Vorgang und die inszenierte Show haben erkennbar schon politische Folgen:

Angela Merkel, die noch vor wenigen Wochen als abgemeldet galt, ist wieder da. Ihr Abschied in anderthalb Jahren spätestens wird mit goldenen Coronas geschmückt sein – eben mit Szenen wie der oben abgebildeten. Die Kandidaten Merz, Röttgen und Laschet und ihr Streit um CDU-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur sind zwar nahezu vergessen. Aber davon unabhängig kann man jetzt schon vorhersagen, dass die Union als die führende, gestärkte und tonangebende Kraft auch in den nächsten Bundestagswahlkampf gehen wird. Dafür sorgen die vielen bewundernden Berichte und Kommentare nahezu aller Medien. Versagen und mangelnde Leistung zählen nicht. Auch das Leiden von hunderttausenden von Menschen, die Opfer der getroffenen Maßnahmen geworden sind und weiter werden, wird überlagert. Getroffen werden vor allem die Menschen ohne laute Stimme, die kleinen Gewerbetreibenden, die kleinen Ladenbesitzer und Freiberufler und vor allem die Minijober. Siehe auch unseren Beitrag vom Sonntag. Alles ist überlagert von Corona und den schönen Bildern – siehe oben.

Ein weiterer politischer Nebeneffekt von großer Relevanz ist die Tatsache, dass die Kanzlerkandidatur mit hoher Wahrscheinlichkeit entschieden ist. Keiner der drei oben genannten wird es werden. Alles spricht für den bayerischen Ministerpräsidenten Söder. Er ist medial dominant und macht auch vieles richtig, jedenfalls erscheint das so.

Die Sozialdemokraten verschwinden in der zweiten, wenn nicht sogar in der dritten oder vierten Reihe.

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