Die Coronakrise als Chance für die Klimapolitik? Leider dürfte eher das Gegenteil der Fall sein

die-coronakrise-als-chance-fur-die-klimapolitik?-leider-durfte-eher-das-gegenteil-der-fall-sein

15-05-20 03:38:00,

Viele Klimaschutzaktivisten sehen die politische Antwort auf Corona-Pandemie als positives Vorbild für die Klimapolitik. Man sehe schließlich nun, dass der „politische Wille Berge versetzen kann“, so Luisa Neubauer von Fridays for Future. „Ganz Deutschland hört dem Virologen Christian Drosten zu. Und das ist genau richtig“. Wenn es doch nur so einfach wäre. Für sehr viele Menschen bedeutet der Lockdown vor allem eine existenzielle sozioökonomische Bedrohung und es besteht die sehr reale Gefahr, dass die negativen Auswirkungen der Maßnahmen auf eine Politik transportiert werden, die den Rat von Wissenschaftlern befolgt und dabei das Schicksal der „kleinen Leute“ aus den Augen verliert. In einer Demokratie, in der Politiker gewählt werden wollen, wäre dies eine Katastrophe für den Klimaschutz. Ein düstere Prognose von Jens Berger.

Der Lockdown ist auch eine Klassenfrage und es ist nicht sonderlich überraschend, dass die Maßnahmen, die Bund und Länder zur Eindämmung von Covid-19 verabschiedet haben, je nach sozioökonomischem Hintergrund und persönlicher Situation anders wahrgenommen werden. Schon heute werden die Maßnahmen vor allem von Menschen, die aufgrund ihrer ohnehin schon nicht so rosigen beruflichen und finanziellen Lage besonders von den wirtschaftlichen Folgen betroffen sind, tendenziell eher kritisch gesehen. Und dabei befindet sich die Realwirtschaft erst in einer frühen Phase der negativen Folgen der Coronakrise. Auch wenn die Wirtschaft nun langsam wieder anfährt, werden viele Sektoren, wie Kunst und Kultur, Gastronomie oder Tourismus, noch sehr lange eine schwere Durststrecke durchschreiten und wie es mit der globalen Wirtschaft in dieser globalen Krise weitergeht, ist vollkommen ungewiss. Das Szenario einer aufziehenden schweren Weltwirtschaftskrise ist zumindest keinesfalls unrealistisch.

In Krisen werden – so ist der Mensch nun einmal – irgendwann Schuldige gesucht. Waren die Banker und Spekulanten noch ein dankbares und zutreffendes Feindbild für die Finanz- und Wirtschaftskrise, die vor zwölf Jahren die Welt in Mitleidenschaft zog, so fällt es schwer, irgendjemanden oder irgendwas für die Coronakrise verantwortlich zu machen. Und daher – so ist der Mensch nun einmal – machen viele den Überbringer der schlechten Botschaft verantwortlich; die Virologen, deren Empfehlungen die Politik gefolgt ist. Das ist natürlich ziemlicher Unsinn, aber letztlich ist die Politik für diese Fehldeutung mitverantwortlich, hat sie es doch versäumt, selbst die Verantwortung in der Krise zu übernehmen und ihre Entscheidungen transparent zu kommunizieren.

Nun haben wir den Salat.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: