NZZ über die Schweiz – und Russland

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15-05-20 03:26:00,

Christian Müller

Christian Müller / 15. Mai 2020 –

Corona-Krise: In der Schweiz ist Föderalismus positiv, in Russland aber ein Zeichen für Putins Schwäche.

Alle Medien haben ihr grosses Thema: die Covid-19-Pandemie. Da wird nicht zuletzt mit Zahlen jongliert, die scheinbar interessant, in Wirklichkeit aber meist nichtssagend sind, weil sie auf unterschiedlichen Erhebungen beruhen. Infosperber hat ausführlich darüber berichtet.

Die NZZ vom 14. Mai bietet nun ein Musterbeispiel, wie die Pandemie auch für politische Kommentare missbraucht werden kann. Auf Seite 11 ist eine längere Geschichte, wie in der Schweiz die Massnahmen zuerst allein von «Bern» beschlossen und durchgesetzt worden sind, jetzt aber die Kantone und sogar Gemeinden wieder die ihnen zustehenden Kompetenzen zurückerhalten sollen. Die Situation im Kanton Schaffhausen ist ja auch wirklich nicht die gleiche wie die im Tessin. «Schlägt jetzt die Stunde der Kantone?»

Auf Seite 9 der gleichen NZZ-Ausgabe schreibt Auslandredaktor Andreas Rüesch zum gleichen Thema in Russland. Rüesch darin wörtlich: Putin «scheint zu befürchten, dass die Bevölkerung ihn für die Einschränkungen persönlich verantwortlich machen wird. Die Zuständigkeit für die epidemiologischen Massnahmen hat er kurzerhand den Gouverneuren der Regionen zugeschoben. Dieser neu entdeckte Föderalismus mag für den Kreml bequem sein, passt jedoch nicht zu einem politischen System, das ganz auf die Staatsspitze zugeschnitten ist.» Die Headline von Rüeschs Kommentar: «Der russische Präsident zeigt Schwäche».

Nicht ganz zufällig erwähnt Andreas Rüesch auch, dass Russland in Europa mittlerweile am meisten «Fälle» hat. Was tatsächlich stimmt. Nur die USA, mit über doppelt so vielen Einwohnern, haben mehr. Doch wenn schon Zahlen, die hüben und drüben eh unsicher sind, dann die: Die Anzahl der Toten liegt in Russland bei 1,6 pro 100’000 Einwohner, in den USA bei 25 pro 100’000 Einwohner.

Man merke: In der Schweiz, wo zwischen Schaffhausen und Bellinzona knapp 180 km Autobahn liegen, sind dezentralisierte Entscheidungen – also Föderalismus – gut und notwendig. In Russland aber, wo zwischen Moskau und Wladiwostok am Japanischen Meer 8400 km Autobahn und Überlandstrasse liegen, sind dezentralisierte Entscheidungen – also Föderalismus – nach Ansicht der NZZ ein Zeichen der Schwäche des Kremls.

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