Was uns die Berichterstattung zur „Taubenproblematik“ über die Verbundenheit von Medien und Politik zeigt

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17-05-20 10:15:00,

Manchmal lohnt es sich, mit den Augen einer kritischen Wissenschaft auf politisch mehr oder weniger unverdächtige Themen zu schauen, wie zum Beispiel: Tauben. Minea Pejic hat in einer bemerkenswerten Studie aufgezeigt, dass viele Mediennutzer gar nicht so unrecht haben, wenn sie Journalisten vorwerfen, „herrschaftsnah“ zu berichten. Die Kommunikationswissenschaftlerin hat die Berichterstattung über ein Taubenproblem in den Städten München und Ingolstadt verglichen und dabei festgestellt: Der abgelieferte Journalismus orientiert sich stark an den Sichtweisen der vorherrschenden Politik. In München geht die Politik mit Härte gegen Tauben vor – dementsprechend fällt auch der Tenor in der Berichterstattung aus. In Ingolstadt wird auf sanfte Methoden im Umgang mit Tauben gesetzt – dementsprechend berichten die lokalen Medien. Im NachDenkSeiten-Interview berichtet Pejic über ihre Studie. Von Marcus Klöckner.

Sie haben sich in einer wissenschaftlichen Arbeit damit auseinandergesetzt, wie Medien über den Umgang mit Tauben in den Städten Ingolstadt und München berichten. Was haben Sie dabei festgestellt?

Obwohl das Thema Tauben keine weitreichende politische Dimension hat, konnte ich dennoch einen interessanten Zusammenhang zwischen der journalistischen Berichterstattung und der Politik feststellen. Bei dem Thema Tauben fungieren Medien nämlich als politischer Index.

Politischer Index? Was meinen Sie damit?

Bei meiner Untersuchung wurde deutlich, dass es einen starken Zusammenhang zwischen der Berichterstattung im Journalismus und den Entscheidungen bzw. den dominanten Positionen in der Politik gibt. Politischer Index heißt hier also: Die Berichterstattung ist so angelegt, dass sie der vorherrschenden politischen Meinung zugeneigt ist.

Das heißt, beim Thema Tauben spiegelt die Lokalberichterstattung in der Tendenz die Sichtweise der jeweilig vorherrschenden Politik wider?

Richtig, und das ist ein Problem, das in meiner Arbeit auch sehr klar wird, nämlich: Ein Teil der Wahrheit fällt so leider oft unter den Tisch. Wenn Medien zu sehr als politischer Index fungieren, führt das zu einseitiger Berichterstattung, die nicht das gesamte Spektrum der möglichen Positionen und Informationen aufzeigt, sondern nur einen Teil – den, der in der Politik am häufigsten vertreten wird.

Dass Medien sich stark an der Politik ausrichten, wird schon seit längerem kritisiert. Nur ist die hieb- und stichfeste Beweisführung oft schwierig.

Ja, das stimmt. Auch meine Arbeit hat Grenzen, da sie sich erstens nur innerhalb der Lokalpolitik und innerhalb des Lokaljournalismus bewegt und zweitens, da sie nur ein sehr kleines Thema abdeckt.

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