“Verlassen Sie Brasilien!” – Bolsonaros Sabotage der Covid-19-Bekämpfung, die Bedrohung Südamerikas und die weltweite Fassungslosigkeit

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21-05-20 10:54:00,

„Liebe Landsleute, wir wünschen Ihnen frohe Osterfeiertage, die hoffentlich viele von Ihnen bereits in Deutschland oder auf dem Weg dorthin verbringen. Gleichzeitig wollen wir mit diesem Brief Allen, die sich immer noch kurzzeitig in Brasilien aufhalten (z.B. im Rahmen touristischer Aufenthalte, Praktika, Freiwilligenprogramme) erneut dringend anraten, umgehend nach Deutschland zurück zu fliegen“, twitterte Georg Witschel, deutscher Botschafter in Brasilien, bereits am 9. April und begründete seine Warnung mit einem Brief über die aufkommende Corona-Katastrophe. „In Brasilien steigt die Zahl der mit dem COVID-19-Virus Infizierten, der ernsthaft Erkrankten und der Todesopfer extrem stark an. Aufgrund dieser Entwicklung muss befürchtet werden, dass sich die Situation hier rasch weiter zuspitzt. In einigen Bundesstaaten sind die Gesundheitssysteme schon jetzt stark ausgelastet.“ Von Frederico Füllgraf.

Mit einem kurzen, aber energischen Aufruf schloss sich der britische Botschafter Vijay Rangarajan am darauffolgenden Tag der Aufforderung an: „British Nationals travelling through Brazil, our advice is for you to return to the UK immediately. There are flights available this weekend…”. Einen weiteren Tag später meldete sich die Botschaft Italiens. Die Regierung in Rom fordere ihre Bürger dazu auf, Brasilien „dringend“ zu verlassen.

Nach den USA ist Brasilien das Epizentrum der Pandemie auf der südlichen Halbkugel

Zu diesem Zeitpunkt registrierten die staatlichen Gesundheitsämter in Brasilien bundesweit 19.943 Infizierte und 1.074 Tote. Fünf Wochen später meldete die offizielle Pandemie-Statistik 255.200 Infizierte und 16.838 Tote; also das 10-Fache an Neuinfektionen und das 16-Fache an Toten – Tendenz steigend. Brasilianische Wissenschaftler der Fachgruppe „Covid-19 Brasil“ schätzten nämlich die tatsächliche Anzahl der Coronavirus-Fälle in Brasilien auf 1,6 Millionen, darunter allein 526.000 Infektionen im bevölkerungsreichsten und entwickeltesten Bundesstaat São Paulo. Die Statistik und ihre wissenschaftliche Ermittlung wurden am 7. Mai auf der Website der Gruppe veröffentlicht. Es ist bekannt, dass es in ganz Brasilien eine gewaltige Dunkelziffer von Fällen gibt, da nur akute Fälle von Patienten gemeldet werden, die in Krankenhäuser gehen. „Aber wie groß ist diese Verzerrung der Realität?“, hinterfragte Domingos Alves, Sprecher der Forschergruppe.

In Manaus, der Landeshauptstadt des brasilianischen Amazoniens, glich das Massensterben bereits im Monat April dem Dominoeffekt. Kaum Testdurchführungen, mangelnde Schutzausrüstungen, überforderte und massenweise angesteckte Ärzte und Krankenpfleger, kollabierte Krankenhäuser, ausgelastete Bestattungsunternehmen, Leichen über Leichen. Makabre Bilder von ausgehobenen Massengräbern gingen durch die Weltmedien.

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