Siri – Die freundliche Spionin

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22-05-20 05:24:00,

Er soll Drogendeals ahnungsloser Apple-Kund:innen mitgehört oder sie beim Sex belauscht haben. Zehn Monate sind vergangenen, seit Thomas le Bonniec an die Öffentlichkeit ging. Im Sommer des vergangenen Jahres erzählte der heute 25-Jährige der britischen Tageszeitung Guardian von der Zeit, in der er in Irland für Apple gearbeitet hatte.

Angestellt bei einem Subunternehmen, hörte le Bonniec 2019 nach eigenen Angaben zwei Monate lang Tausende Gespräche ab, die iPhones und andere Geräte des US-amerikanischen Konzerns mit der Spracherkennungssoftware Siri aufgezeichnet hatten. Gegenüber dem Guardian räumte Apple damals ein, einen „kleinen Teil“ der Siri-Abfragen aufzuzeichnen, um die Software zu verbessern.

Besonders heikel: Mitunter hörte Siri aber auch mit, obwohl niemand den Dienst wissentlich aktiviert hatte. Eine technische Fehlfunktion, wenn die Software fälschlicherweise die Aktivierungsworte „Hey Siri“ versteht. So landeten auch sensible Tonaufnahmen bei Apple. Le Bonniec sagte, diese hätten sogar Einblicke in die Krankengeschichte Betroffener erlaubt. Zu hören gewesen seien in den Aufzeichnungen zudem nicht nur die Besitzer:innen von Apple-Geräten, sondern auch deren Umfeld.

Whistleblower wendet sich an EU-Datenschutzbehörden

In dieser Woche wandte sich der Whistleblower nun an die europäischen Datenschutzbehörden. In einem Schreiben wirft er Apple einen massiven Eingriff in die Privatsphäre von Millionen Menschen vor. „Die Leute reden täglich mit Siri und werden in dem Glauben gelassen, sie sprächen mit einer freundlichen KI. Das ist sie aber eindeutig nicht“, so le Bonniec. „Siri kann als Spionin agieren.“

Er wirft dem Konzern vor, auch weiterhin massenhaft entsprechende Daten zu sammeln. In der Folge seiner Enthüllung hatte Apple 2019 versprochen, das Vorgehen zu überdenken und künftig nur noch Aufnahmen von Kund:innen abhören zu lassen, die dem ausdrücklich zugestimmt hätten.

Der österreichischen Tageszeitung STANDARD zufolge schätzt le Bonniec, dass Apple insgesamt hunderte Millionen Sprachaufnahmen angefertigt hat. Jetzt will er, dass sich die Datenschutzbehörden dem Fall annehmen. „Ich vertraue darauf, dass Sie verstehen, dass die Privatsphäre von Millionen Menschen auf dem Spiel steht“, schreibt er ihnen.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hat der zuständige Datenschutzbeauftragte aus Irland in diesem Zusammenhang Kontakt zu dem Konzern aufgenommen. Apple hat eine Anfrage von netzpolitik.org an diesem Freitag bislang nicht beantwortet.

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